Die Zuckermonarchie auf St. Pauli: Wo süße Träume wahr werden

„Wow, du bist ja noch total jung!“, sage ich ganz fasziniert, als ich Denise Trage, die Inhaberin der Zuckermonarchie, zum ersten Mal sehe. Um ehrlich zu sein hatte ich nach den Mails, die wir uns geschrieben haben und dem professionellen Auftreten der Zuckermonarchie auf der eigenen Homepage und in sozialen Netzwerken mit einer Frau in den Vierzigern gerechnet, die aufgrund der vielen Arbeit leicht gestresst aussieht. Stattdessen steht eine junge, strahlende Frau vor mir: Denise, 28, lange dunkle Haare, keine Spur von Stress im Gesicht, dafür strahlend blaue Augen, die später im Gespräch noch stärker leuchten werden, wenn sie von dem erzählt, was sie tut, was sie liebt.

Wir setzen uns unter einen kleinen Kronleuchter an einen der schönen Holztische, pinkfarbene Blumen stehen auf dem Tisch, wir trinken Cappuchino und Espresso-Macciatio aus zarten, weißen Porzellan-Tässchen mit Goldrand. Ein herzförmiger Schokoladenkeks liegt auf der Untertasse. Im Hintergrund läuft Musik, die ich aufgrund der sanften Leichtigkeit kaum wahrnehme. Dennoch ist sie da, unterstreicht die Schönheit des kleinen Cafés, die besondere Atmosphäre, hebt sie hervor, ohne ihr den Platz zu nehmen. Seit 2 Jahren gibt es das Café in der jetzigen Form, vorher war es ein Showroom für die Kuchen, Cupcakes, Törtchen, Cakepops und co, die die damals 24-jährige Denise in Eigenarbeit für Cateringaufträge und Hochzeiten herstellte. Ihr junges Alter stand ihr dabei keinesfalls im Weg. IMG_2566„Natürlich gab es Leute, die mich gefragt haben, ob ich nicht erstmal Erfahrungen sammeln wolle. Daraufhin habe ich sie nur gefragt: Worin denn? Wenn man Lust hat, etwas zu machen, soll man es machen! Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt sie lächelnd und rührt den Milchschaum unter den Espresso. Diese Liebe, diese Leidenschaft, das Herzblut, sieht man in jeder Ecke der Zuckermonarchie. Die Cupcakes, Cakepops, Macarons, Kuchen, Torten… sind so liebevoll gestaltet, sehen so köstlich aus, dass sie keinen Weichzeichner brauchen, als ich sie später fotografiere. Im Gegenteil: es wäre Verschwendung, weil ihre Perfektion dadurch verwischen würde.

„Im Laufe der Zeit kam es immer öfter vor, dass die Leute, die vorbeigingen, sich die Nasen an der Fensterscheibe platt gedrückt und geklingelt haben, weil sie mir einzelne Cakepops und Cupcakes abkaufen wollten.“, erzählt sie lächelnd. So kam es, dass aus dem einstigen Showroom ein Café wurde. „Deswegen ist es hier auch so klein.“ Doch die Größe ist keineswegs ein Nachteil, vielmehr fühle ich mich heimelig. ‚Wohnzimmeratmosphäre’ wäre auch eine passende Beschreibung, denn Denise’ Detailverliebtheit und Sinn für Schönes findet man hier in jeder Ecke: Sei es in der zarten Blümchentapete mit der die Wand hinter uns versehen ist, dem goldenen Spiegel, der zwischen gerahmten Bildern hängt, der Verpackung der hausgemachten Produkte die man mitnehmen kann, der Quastengirlande , die die kleine Treppe schmückt, die zu ihrem Büro führt, in den Wabenbällen und Pompons in weiß- und rosatönen, die an der Decke hängen, den Gläsern mit Süßigkeiten im Regal… Das absolute Highlight ist natürlich die Vitrine mit den Köstlichkeiten, vor der jeder Kunde mit großen Augen stehenbleibt und gar nicht weiß, was er nehmen soll. Neben Macarons, Cakepops, Cupcakes, Kuchen, Mousse-Törtchen und Tarteletts gibt es auch Torte, zum Beispiel die rosafarbene Prinzessinnen Torte, von der ich mir später noch ein Stück einpacken lasse und die momentan neben dem Erdbeer-Holunder-Mousse-Törtchen Denise’ absoluter Liebling ist: sanfter Mandelbiskuitteig trifft auf fruchtiges Himbeergelee, Vanillepuddingcreme und frische Himbeeren. Umhüllt wird das Ganze mit ist Marzipan und Zuckerpaste.IMG_2572Die Ideen zu solchen kulinarischen Highlights basieren auf der Vision, die Denise von der Zuckermonarchie hat: „Ich habe schon ziemlich genaue Vorstellungen von dem, was ich machen will. Sie dreht sich um eine kleine Prinzessin, die in ihrem Schlösschen auf ihrem Berg sitzt, ein rosafarbenes Dorf um sich herum hat und jeden Tag an alle Zuckerstangen verteilt. Darum herum baut sich alles Neue auf.“ Die einzelnen Kreationen arbeitet sie mittlerweile nicht mehr alleine, sondern zusammen mit einem Konditor aus.„Inzwischen haben wir schon eine Art Baukastensystem mit Rezepten, die uns schmecken. Zum Beispiel eine tolle Fruchtfüllung oder einen besonderen Biskuitteig. Das kann man dann miteinander kombinieren oder in eine neue Form bringen. Außerdem arbeiten wir mit saisonalen Produkten, was natürlich auch immer wieder eine Rolle spielt.“IMG_2570Die Inspiration holt sie sich im Internet, zum Beispiel bei Pinterest. „Dann erstelle ich ein Moodboard mit vielen verschiedenen Bildern und Ideen. Bis daraus ein fertiges Produkt geworden ist, kann es schon etwas dauern.“ 
Seit Oktober letzten Jahres wird in der Zuckermonarchie am Wochenende auch Frühstück angeboten. Nicht nur wegen des Platzmangels hat sie sich bewusst gegen ein Büffet entschieden. „Bei einem Brunch verlieren die Produkte schnell an Qualität und ich möchte alles so servieren, wie ich es selber auch gerne serviert bekommen würde.“ So wird das Frühstück individuell für jeden Gast mit viel Liebe zum Detail auf einer Etagere angerichtet. „Wir garnieren alles mit kleinen Himbeeren und Erdbeeren, dann gibt es zum Beispiel Butter in Herzform, das Knäckebrot backen wir selbst und bestreichen es mit Kräuterfrischkäse und Sprossen.“ Kein Wunder, dass der Laden stets aus allen Nähten platzt und man unbedingt vorher reservieren sollte. Die junge Frau arbeitet viel für ihren wahr gewordenen Traum, obwohl sie inzwischen einige Angestellte beschäftigt. „Es ist 24/7 Arbeit, aber es ist zur Hälfte auch ein Hobby. Deswegen ist es so, als ob man 8 Stunden arbeitet und danach sein Hobby macht.“, sagt sie und ihre Augen leuchten vor Freude. Ein weiteres Geheimnis ihres Erfolgs ist wohl auch, dass sie nur mit Produkten arbeitet, die sie auch für ihren eigenen Kühlschrank kaufen würde. So werden ausschließlich Bio-Eier verarbeitet. „Davon bin ich ein großer Verfechter, die paar Cent mehr sind es mir wert. Außerdem achten wir schon darauf, dass wir auch Bio-Aufschnitt und Obst kaufen und gute, frische, saisonal-abgestimmte Produkte verwenden.“

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Denise (rechts) und ich in ihrem wahr gewordenen Traum: der Zuckermonarchie auf St. Pauli

Während im Sommer natürlich die komplette Frucht-Vielfalt verarbeitet wird (momentan ganz neu im Programm: knackige Meringue mit Rosenwasser, frischer Vanillesahne und süßen Erdbeeren), gibt es im Winter zum Beispiel Cheesecake mit Rosinen, Weintrauben und Honig oder Carrottcake mit Lebkuchengewürz und Nüssen. Nachdem wir umgeben von so viel Köstlichkeiten über so viel Köstliches gesprochen haben, möchte ich endlich etwas probieren: Ich entscheide mich (erstmal…) für das Madame Macaron Dessert, einen untertassengroßer, pinkfarbener Macaron, der mit Brombeercreme und frischen Himbeeren gefüllt ist. Nach dem ersten Bissen kann ich kaum glauben, was ich schmecke: der französische Mandelbaiser ist knusprig und saftig zugleich, die Füllung sanft, cremig, süß, fruchtig, sauer… Ich kann mich nicht erinnern, schon Mal etwas so Besonderes gegessen zu haben! Das ist nicht einfach irgendein Dessert, es ist facettenreiche Kunst; nicht nur für die Augen, sondern auch für den Gaumen. Gaumenkunst, die glücklich macht.

 

Unbedingt probieren: Madame Macarone Dessert. Ich bin seitdem ganz verliebt in diesen Geschmack!!
Unbedingt probieren: Madame Macarone Dessert. Ich bin seitdem ganz verliebt in diesen Geschmack!!!

Die Zuckermonarchie findet ihr in der Taubenstraße 15 auf St. Pauli. Und natürlich online: http://www.zuckermonarchie.de/ https://www.facebook.com/Zuckermonarchie   Öffnungszeiten: Do-So 11.00 -19.00 UhrIMG_2566

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Und noch eine 'Kleinigkeit' für zuhause... Muahaha
Und noch eine ‚Kleinigkeit‘ für zuhause… Muahaha

 

 

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