In Hamburg sagt man Tschüss.

Sonntag, 3. Advent. Wie große Spinnennetze hängen Lichterketten in den Bäumen der Mönckebergstraße, kleine Menschentrauben schlendern bei Nieselregen über den Weihnachtsmarkt. Ich versuche, sie alle zu überholen, laufe von Duftwolke zu Duftwolke. Japaner mit Pudelmütze machen Selfies mit Maiskolben am Spieß.

Bildschirmfoto 2016-12-11 um 23.21.36.png
Das Bild ist inzwischen 2 oder 3 Jahre alt. Die große Lichterspinne kommt aber jedes Jahr aufs Neue.

Ich bin auf dem Weg zur Arbeit (sonst wäre ich nicht in der Innenstadt) und mir fällt auf, dass ich dieses Jahr noch genau 12 Arbeitstage vor mir habe.

Was dann kommt?

Weihnachten, Umzug, Silvester, Januar.

Und dann geht es für mich so weit weg, wie nie zuvor. Dann haue ich ab.

img_0311
Fernweh-Flamingo

In Hamburg sagt man Tschüss

Ein halbes Jahr lang werde ich weg sein. (Jedenfalls körperlich. Dank der heutigen Technik ist man ja immer irgendwie da. Klingt aber herrlich dramatisch, oder?)

IMG_4144.jpg
Heimathafen.
  1. Ziel: Melbourne, Australien. (Das ist der Moment, wo ich kurz quieke vor lauter Freude)

Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, wo der Anfang dieser (für mich sehr wilden) Geschichte ist. Ich glaube, irgendwo im November letzten Jahres: Ich war beruflich bei einer sehr spießigen Veranstaltung. Die Frauen steckten stark geschminkt in Kostümchen, während die Männer mehr oder weniger gut sitzende Anzüge trugen. Salzstangen und Cracker auf Stehtischen mit Hussen, Lippenstiftabdrücke auf Plastikbechern wie Kartoffeldruck-Halbmonde auf Leinenbeuteln. Alle wirkten verkleidet und ich hatte das Gefühl, dass niemand in diesem Moment wirklich gerne hier war. Ich kam mir vor, wie ein Statist in einem Theaterstück, in dem ich einfach nicht sein wollte.

Und während ich diese unechte Kulisse beobachtete, die für so viele Leute das echte Leben war,  dachte ich daran, wie großartig es sein müsste, das Auto zu verkaufen, die Wohnung zu kündigen, den geliebten Wauz auszuquartieren und einfach abzuhauen.

14705629_1789928944581253_8758972055176259755_n

Heute, 13 Monate später ist all das getan Die Wohnung ist gekündigt, das Auto verkauft, Berti ist ausquartiert. Heute habe ich mich zum ersten Mal damit beschäftigt, wo ich überall hin will, was ich sehen möchte und bin aus dem Grinsen nicht mehr rausgekommen. Und das trotz Erkältung und Kisten packens.

Jaja, hier ist ordentlich was los.
Aber der Reihe nach:

Im April gab es diesen einen Moment in New York.

Es war ein kalter Frühlingsmorgen, ich stand kaffeetrinkend und auf meine Freunde wartend vor unserem Hotel. So viele Sightseeingattraktionen es in New York auch zu besichtigen gibt – manchmal gibt es nichts besseres, als einfach rumzustehen und die Menschen zu beobachten. New York zu beobachten.

Die verschiedensten Leute strömten an mir vorbei: gut gekleidete, den Look von Carrie kopierende, stereotypische Touristen mit Kamera um den Hals. Die gelben Taxen brausten hupend den Broadway runter, während Mitarbeiter des Hotels mit Trillerpfeifen nach ihnen pfiffen. Eisblauer Himmel, dampfende Gullideckel.

In diesem Moment war mir auf einmal glasklar, was ich seitdem will: Ich will die Welt sehen. Sie wirklich bereisen und fühlen.

img_8685
Ein anderer schöner Moment in NY. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich kann gar nicht großartig beschreiben, aus welchen Tiefen meines Herzens diese Eingebung so unerwartet geflattert kam – auf jeden Fall war sie da und schwirrte fortan (begleitet von der Frage „Wie soll ich das denn nur machen???“)  in meinem Kopf herum.

Ein paar Tage später bekam ich dann die Antwort durch eine entfernte Freundin, die zu dem Zeitpunkt Neuseeland bereiste. Wir hatten zwar lange nichts voneinander gehört, doch ich schrieb sie eines Nachts an und fragte sie, wie sie sich all das leisten könne. „Work and Travel. Das kannst du machen, bis du 30 bist.“, antwortete sie glücklicherweise schon ein paar Augenblicke später, obwohl sie gerade per Anhalter durch die Neuseeländische Natur reiste. Und auch dieser Moment war einer derer, in denen ich sofort wusste, was ich will.Mit klopfendem Herzen googelte ich, wie alt man maximal sein darf (in Australien maximal 40! Yes!!!) und konnte die ganze Nacht vor lauter Aufregung nicht schlafen.

Und jetzt bin ich wieder ganz aufgeregt, weil ich mir überlege, was ich alles sehen will. Weil ich mir Seiten über Schildkröten, Wale, Pinguine und Koalabären durchlese, mich über die Gefahren von Haien, Würfelquallen und Krokodilen informiere und das derart absurd finde, dass ich fast ausflippe vor lauter Vorfreude.

Und weil es so viel zu erzählen gibt. Wohnungsauflösung, extreme Ausmisting aka minimalistisch Leben, wasmussmanallesvorsoeinerreisenurmachen??? (Dazu in den nächsten Tagen mehr)

Aber vor allen Dingen bin ich deswegen so aufgeregt, weil das der bisher größte Schritt aus meiner Komfortzone ist, den ich gemacht habe/ machen werde. Und zwar mit Anlauf und Arschbombe.

15193660_1314460021908908_6055613845557836617_n

Noch mehr Reiselust? Hier geht’s nach New York, Stockholm, London und Lissabon!

img_3100

3 thoughts on “In Hamburg sagt man Tschüss.”

  1. Du hast nicht zufällig die Winnemuth gelesen? Da packt einen nämlich gleich auf der ersten Seite die spontane Melbourneauswanderlust. Auf jeden Fall viel Spass, Du machst das sehr richtig! Hätte ich in dem Alter nicht zwei Rotznasen gehabt, hätte ich genau das getan! Jetzt isses für Work & Travel geringfügig zu spät 😉 ! Ich hoffe schwer, wir hören weiter von Dir, es macht zu viel Spaß, in Deinem Blog zu lesen und rumzutoben!

    1. Liebe Steffi, vielen Dank für deine lieben Worte!!! „Das große Los“ habe ich tatsächlich gelesen – vor 3 1/2 Jahren war das dir Inspiration zu meinem Blog. Lustig, oder? Würde es gerne vor der Reise noch mal lesen, vielleicht schaffe ich es ja noch. 😊
      Meinen Blog nehme ich auf jeden Fall mit und werde auf allen Kanälen (Facebook, Insta, Snapchat) unterwegs sein. Ich bin so aufgeregt!! Liebste Grüße!

Kommentar verfassen