…Und dann habe ich mich entschieden zu bleiben.

Am 02. Juli 2017 wollte ich eigentlich wieder in Hamburg einreisen. Ich hatte bereits ein WG-Zimmer und ein Rückflugticket. Ich hatte viele Pläne für mein Leben in meiner Heimatstadt. (Und sogar schon ein Early-Bird-Ticket fürs Dockville!) Doch größer als diese Pläne war das Gefühl, in Melbourne tatsächlich zu Hause zu sein. Und dann habe ich mich entschieden, zu bleiben.

Aber der Reihe nach:

Letztes Jahr im April, an diesem eiskalten Frühlingsmorgen in New York habe ich nach monatelanger Fragerei auf einmal endlich gewusst, was ich mit meinem weiteren Leben machen will. Ich wollte reisen!

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New York, April 2016

Was es tatsächlich bedeutet, seiner Komfortzone in den Arsch zu treten und neue Wege zu gehen, merkt man ja immer erst, wenn man es gemacht hat. Dementsprechend war die Frage, wie ich die Reiserei in mein Leben integrieren will wichtiger als die Möglichkeit, dass dieser Schritt womöglich mein Leben verändern könnte.

Ich bin am Morgen des 10. Januar in Melbourne gelandet. Obwohl ich einfach nur in ein Flugzeug gestiegen bin, war das der bisher größte Schritt meines Lebens.

Ich hatte eine zauberhafte Wohnung im Herzen Eimsbüttels, die Menschen mit den schönsten Herzen ganz dicht bei mir. Nicht zu vergessen meine kleine Berti, die mich fast jeden Tag seit 5 1/2 Jahren begleitet hat. Mit mir umgezogen ist und bei so vielen wichtigen Lebensabschnitten mit dabei war.

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Berti, Sommer 2016

Von dem Job wollen wir gar nicht erst anfangen. Ich habe als Freiberuflerin das gemacht, was ich immer machen wollte: Fotos, Videos, Social Media Marketing. Jobs vor- und hinter der Kamera, hinter dem Mikrofon. Das war mein Traum, aus dem ich aber heraus gewachsen bin. Ich musste gehen.

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Dreharbeiten für Kölln, Sommer 2016
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Irgendwann gab es sogar meine Softcookies im Kölln Haferland zu kaufen. Winter 2015/16
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Dreharbeiten für Foodboom, Februar 2016
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Fotos für die sozialen Netzwerke der wunderbare Alpenkantine, Winter 2016

Als ich an diesem dunklen Januarmorgen nach mehr als 24-stündiger Reise im sommerlichen  Melbourne gelandet bin, war es ein komplett überwältigendes Gefühl. Ich saß in diesem Flugzeug, starrte zutiefst ergriffen in die Dunkelheit, war vor Glück den Tränen nah- so fühlt es sich also an, über sich hinaus zu wachsen.

Von nun an sollte sich mein Leben komplett auf den Kopf stellen. Doch selbstverständlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt davon nicht die leiseste Ahnung.

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Kitschiger Sonnenuntergang in St. Kilda, Januar 2017

Am zweiten Tag, als ich das erste Mal wirklich für mich war und durch den Park mit all den exotischen Blumen des nahegelegenen Museums spazierte, wusste ich bereits, dass ich hier bleiben möchte. Es fühlte sich an, als sei ich endlich in meinem Element. In dem Wasser, in das ich gehöre. Ich kann es gar nicht anders beschreiben. Es war schlicht und ergreifend richtig, in Melbourne zu sein.Ich hatte das bei keiner anderen Stadt zuvor. Ganz egal, wie beeindruckend New York, wie charmant Lissabon oder wie verrückt Bangkok ist – in Melbourne fühlte ich mich sofort zuhause. Angekommen. Richtig und richtig wohl.

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Erster Abend in Melbourne, Januar 2017

Doch wie sollte ich in Melbourne bleiben, wo doch auch Hamburg so viel für mich bereithielt?

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Abschied nehmen vom Heimathafen und Menschen beim Fotos machen fotografieren. Dezember 2016

Es ist immer wieder aufs Neue wahnsinnig wertvoll für mich, Dinge in Frage zu stellen. Also habe ich alles in Frage gestellt. Meine Zukunftspläne, den Blog. Und genau das waren die Gründe, warum es hier so ruhig war. Bevor ich nach Australien geflogen bin, hatte ich große Pläne für Linn Eats World: Mindestens ein Video die Woche, Fotos ohne Ende. Zurückkommen, als Reisebloggerin arbeiten.

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Strike a pose, Koala! Apollo Bay, Februar 2017

Jetzt bin ich fast 2 Monate hier und habe noch kein einziges Video hoch geladen. Nicht mal das, wie ich vollkommen fasziniert die Great Ocean Road entlang gefahren bin. Warum? Mein Herz war mit so vielen anderen Dingen beschäftigt. Ich hätte durchaus die Zeit, aber nicht den emotionalen Raum dafür gehabt.

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Familie Kakadu, Apollo Bay, Februar 2017

Kurz bevor ich nach Australien gereist bin, hat einer meiner Arbeitskollegen zu mir gesagt, dass ihn Australien überhaupt nicht reizen würde, weil hier ja gefühlt jeder hinfährt und er schon so viele Fotos gesehen hat. Mal ganz davon abgesehen, dass mich diese Aussage extrem irritiert hat, weil man dann ja einfach in einer Kellerwohnung leben und die Welt durch den Fernseher sehen könnte, geht es mir nicht darum irgendwo schnell hinzufahren nur um zu sagen, dass ich da war. Ich möchte einen Ort fühlen und mit all meinen Sinnen erleben.

“Gib der Kreativität Raum und sie wird ihre Schönheit in Freiheit entfalten” – Karl Lagerfeld 

Ich genieße es so sehr, dass ich tatsächlich Zeit habe! Für alles und nichts tun, auf jeden Fall meistens nur für das, was ICH will.

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…einfach zu fotografieren, beispielsweise. St. Kilda, Januar 2017
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Oh yeah, I like it kitschy! St. Kilda, Januar 2017
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Noch ne Runde Kitsch? Bitteschön! St. Kilda, Januar 2017

In Melbourne zu bleiben schien zunächst unmöglich. Es würde wieder so viel Veränderungen beinhalten, die mich anfangs schlicht und ergreifend überforderten.

Ich habe diesen Gedanken also mehrere Wochen mit mir herum getragen und mir jeden Gedankengang erlaubt. Habe mich ins Leben dieser Stadt geschmissen, bin meinem Gefühl gefolgt und habe immer wieder aufs Neue meiner Komfortzone in den Arsch getreten.

Ich habe mich getraut, meine Ängste über Bord zu werfen, unsichtbare Gedankenmauern gesprengt und mich schlaflosen Nächten gestellt um einen weiteren, riesengroßen Schritt zu gehen:

Ich habe mich dafür entschlossen, zu bleiben.

Ich habe meinen Rückflug gecancelt, der WG in der Hamburger Schanze bescheid gesagt, dass ich doch nicht kommen werde (DANKE noch mal an dieser Stelle für die Option, gleich wieder ins Herz Hamburgs ziehen zu können!!!). Meine Eltern gefragt, ob sie sich weiterhin um Berti kümmern werden (sie haben natürlich ja gesagt – DANKEDANKEDANKE – ihr wisst, wie viel mir das bedeutet!) und meine Freunde treffe ich an den verschiedensten Orten der Welt. Gibt es einen besseren Plan?

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Sonnenaufgang an der Great Ocean Road, Februar 2017

Für mich hat sich in den letzten Wochen noch mehr heraus kristallisiert.

Ich möchte meinen Blog auf jeden Fall weiter führen und genau das machen, weswegen ich ihn vor inzwischen fast 3 Jahren hochgeladen habe:

Vollkommen frei von Leistungsdruck einfach nur das machen, wozu ich Lust habe. Ich möchte noch mehr Posts veröffentlichen, die von Herzen kommen. Möchte euch Videos zeigen, weil ich nicht anders kann. Und am aller meisten möchte ich euch davon erzählen, wie gut es tut, mutig zu sein.Wie wichtig es ist, Dinge zu machen, die ihr machen wollt und schon immer machen wolltet.

Und ich möchte euch auf meine bunte, wilde Reise mitnehmen. Wo auch immer sie mich hinführen mag.

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5 Replies to “…Und dann habe ich mich entschieden zu bleiben.”

  1. Wow, dein Post hat mich gerade fast zu Tränen gerührt. Ich beneide Dich aufrichtig und die Freiheit die Du hast und den Mut diese Entscheidung zu treffen und den Weg zu gehen.
    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute dafür und freue mich, weiterhin von Dir zu lesen…

  2. Ach wie schön. Jetzt habe ich fast Pipi in de Augen. Ich freue mich für dich und bewundere dich für deinen Mut. Vielleicht kannst du Berti ja bald nachholen. Ich glaube so schnell kommst du nicht wieder zurück. 😉

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