…sometimes you just get lost.

Wie es ist, wenn man alleine in einer fremden Stadt lebt, Lieblingsmenschen vermisst und langsam der Alltag einkehrt. Und einen neue Erkenntnisse in unfassbare Dimensionen tragen. (***NEU*NEU*NEU***Auch als Podcast!)

“Ich kam in Melbourne an, hing zwischen den Sprachen, Geldsorgen und Fülle, Glückseligkeit und Vermissen. Ich hatte das Gefühl, 1000 Dinge auf ein Mal zu fühlen. Ich habe mich selbst aus meiner Komfortzone geballert und knallte mit dem ganzen Sein unentwegt gegen jede erdenkliche Emotion, als sei ich der Ball eines Flipperautomaten.” 

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“Sometimes it feels good to get lost into the right direction.”, stand auf einem dieser für Pinterest typischen Bilder mit Sonnenuntergang, Bergen und schönen Menschen mit verwegen schauenden Gesichtern und sanft fliegenden Haaren. Mich hat das Bild so sehr berührt, dass ich es damals gespeichert habe. 2014, lange bevor ich auf eigene Faust die Welt sehen wollte. Reisen, alles hinter sich lassen. Was für ein Traum, welch eine romantisch wilde Vorstellung, nicht wahr? Oh ja, das ist durchaus wahr. Aber manchmal fühlt man sich nicht “lost in the right direction” sondern einfach nur lost.

Und das ist vollkommen in Ordnung. 

Denn du haust nicht ab, um alles hinter dir zu lassen und ab sofort nur noch ein “alles ist toll Leben” zu leben. Wir wissen alle, dass es das nicht gibt, auch wenn Instagram und Facebook uns das manchmal gerne glauben machen wollen. Du haust ab und nimmst alles mit, was deine Gedanken tragen können, denn du nimmst dich mit.

Ich habe das Gefühl, der für mich wichtigen Essenz des Lebens auf die Spur zu kommen. Eben weil ich mich Ängsten stelle und Schmerzen bewusst zulasse, ihnen Raum gebe, statt sie mit aller Kraft wegzuschubsen. Ich fange an, sie als Teil des Ganzen zu sehen. Und das tut unglaublich gut. Warum werden wir groß in dem Glauben, dass Schmerzen schlecht sind?

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Meine herzallerliebste Freunden Astrid erzählte mir eben von einer wunderschönen Metapher aus einem Buch: “Schmerzen wegzuschubsen ist genauso sinnlos, wie zu versuchen den Regen wegzuschubsen.”

Das sagt sich so leicht, wie alles, in dem die Wahrheit liegt. Und doch scheint es manchmal unmöglich, es umzusetzen.

Letzte Woche, am 20. März, dem europäischen Frühlingsanfang, dem internationalen Tag des Glücks, hatte ich Geburtstag. Und gerade an diesem Montag ist mir zum ersten Mal wirklich bewusst geworden, wie schmerzhaft es sein kann, seinen eigenen Weg zu gehen.

Wie intensiv und facettenreich sich Yin Yan anfühlen kann.

IMG_6383In Hamburg habe ich mich rastlos gefühlt, weil ich einen Ort vermisst habe. Und in Melbourne habe ich mich in dieser Woche rastlos gefühlt, weil ich einen ganz bestimmten Menschen vermisst habe.

Ich komme hier in ganz neue emotionale Ebenen, weil ich noch nie so lange alleine unterwegs war. Weil ich noch nie meine Lieblingsmenschen hinter mir gelassen und mich derart für meinen Weg geöffnet habe.

Ja, es ist einfach, in Kontakt zu bleiben, es kostet nichts zu telefonieren oder Bilder via Messenger in Sekundenschnelle über die halbe Welt zu jagen. Doch es gibt viele Momente, in denen ich meine Herzensleute und Berti schlicht und ergreifend körperlich schmerzhaft vermisse.

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Baby-Bert 2011

Facetimen mit meinen Eltern, meinen Hund sehen. Alter. Hallo Püppi. Hallo Sehnsucht. Hallo schlechtes Gewissen.

Und auch diese Gefühle sind vollkommen in Ordnung. Ich wollte wachsen, mich ein Mal mehr trauen, meiner Intuition zu folgen. War doch klar, dass dieser heftige neue Lebensabschnitt auch Schmerzen mit sich bringt – wie sollte ich ohne diese Schmerzen wachsen?

Das Gute ist: Ich sehe das Leben als eine Aneinanderreihung von Phasen und somit geht auch jede schmerzhafte Zeit für mich vorbei. Der Regen zieht weiter und schenkt Kraft für neues Leben. Und so hat auch die letzte, oftmals sehr traurige Woche, mich in ungeahnte Dimensionen getragen.

Ich erfahre unglaublich viel Liebe in den schönsten Formen. Dann, wenn zum Beispiel Astrid zu mir sagt “Seit du weg bist, habe ich das Gefühl, dass wir uns noch viel näher sind als vorher.” oder ihr euch die Zeit nehmt mir so viele liebe (!!!) Mails zu schicken und mich sogar teilweise bei der Arbeit zu besuchen, oder oder oder: all das zeigt mir, dass es richtig ist, meine Gefühle zu teilen.

Dass es richtig ist, mich meiner Angst zu stellen, mich im Internet verletzlich zu zeigen. (Und das ganz ohne Heulbilder)

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Ich habe mich selbst aus meiner Komfortzone geballert und bin mit dem ganzen Sein unentwegt gegen jede erdenkliche Emotion geknallt, als sei ich der Ball eines Flipperautomaten.

Bis zu dem Moment, an dem ich nach viel Ruhe, Meditationen, etlichen Gesprächen mit alten und neuen Wegbegleitern zu der Erkenntnis kam, dass ich nicht der Ball eines Flipperautomaten bin, sondern der Spieler.

Meine Gedanken setzen und überwältigen Grenzen, machen meinen Tag aus.

Ich entscheide.

Und ich entscheide mich ganz bewusst gegen die Furcht, Schmerzen zu fühlen.

Ich entscheide mich für den Mut, bedingungslos, achtsam voller Respekt zu lieben, zu fühlen, zu wachsen.

Zu fliegen.

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2 Replies to “…sometimes you just get lost.”

  1. JAAAAAAA. „Dass es richtig ist, mich meiner Angst zu stellen, mich im Internet verletzlich zu zeigen.“ Schwester, irgendwann werden wir uns treffen. Und es wird so sein, als hätten wir uns schon immer gekannt. Ich liebe es, Deine Reise mitzuverfolgen und könnte JEDEN. EINZELNEN. GEDANKEN. unterschreiben. Deine Bloggerfreundin Svenja

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