Das Leben ist zu kurz für irgendwann

Wir hören von Bekannten, die jetzt die Welt bereisen und wollen das auch. Dieses Freisein. Eigentlich, denn das geht ja nicht so einfach! Warum eigentlich nicht? Und wie doch?

„Ich würde ja so gerne, aber das geht ja nicht so einfach.“ Ihr glaubt nicht, wie oft ich das in den letzten Monaten gehört habe! Dazu selbstverständlich die klassisch-absurden Gründe, warum es nicht geht: Guter Arbeitsvertrag, Versicherungen, schöne Wohnung. Ich verstehe all das ansatzweise, kann es aber nicht mehr nachvollziehen.

Die Lösung ist ganz einfach. Jedenfalls in der Theorie

Warum nicht das machen, was man wirklich machen will???

Um monatlich in eine Lebensversicherung einzuzahlen, die man irgendwann -wenn man denn das Alter überhaupt erreicht- ausgezahlt bekommt? Ja, Vorsorgen ist wichtig. Noch wichtiger ist aber die Balance. Und ich habe unentwegt das Gefühl, dass das Finden genau dieser Balance die größte Herausforderung überhaupt ist.

Nicht alles totdenken. Einfach machen.

Wir leben auf diesen besonderen Tag hin, Tag X. Dieser „Wenn ich erstmal, dann…“-Tag, der nur höchst selten wirklich eintritt. Wir leben unser Leben als wären wir unsterblich. Wir trauen uns nicht, gespartes Geld auszugeben, weil es dann weg ist. Wir trauen uns nicht, neue Dinge auszuprobieren, weil wir scheitern könnten. Ist ja auch alles nicht so einfach, hab ich recht…?

…und immer dran denken…

Mein Kumpel Lasse hat im Dezember seine Koffer gepackt und reist seitdem durch Neuseeland. Ich habe ihn am Ende meines Volontariates eingearbeitet und für uns beide war damals ganz klar: Hinter dem Mikrofon zu stehen ist das Beste überhaupt!

Fast 10 Jahre später befinden wir uns über 16.000 Kilometer von unserem ehemaligen Arbeitgeber entfernt. Er ist an diesem Aprilmorgen auf einem Campingplatz (mit Wifi!!!) in Neuseeland, ich in Australien auf dem Weg zur Arbeit, wir telefonieren und freuen uns über diese Erinnerung. Der alte Traum liegt gelebt hinter uns. Wir haben ganz unabhängig voneinander auf komplett unterschiedliche und doch so ähnliche Art und Weise unser Leben in eine andere Bahn gelenkt, indem wir Prioritäten neu definiert und einfach unser Ding gemacht haben. „Mal ganz ehrlich, Liggi di Lack“, sagt er lachend, „es nützt einem ja auch nichts, der Reichste auf dem Friedhof zu sein. Das Leben ist zu kurz für irgendwann.“

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Aus Lasses Neuseeland-Fotoalbum. Ich wette, er ist kreischend den Berg runtergerannt.

„Aber das ist doch alles nicht so einfach!“, höre ich manch einen jammern. Und ich möchte einfach nur eine Frage stellen:

Warum muss denn immer alles einfach sein?

Es ist alles andere als einfach und garantiert auch nicht schmerzfrei, die Käfigtür zu öffnen, los zu flattern und sich neu zu orientieren. Es ist anstrengend, es ist kräftezehrend, verwirrend. Und gleichzeitig ist es wunderschön und das Beste, was ich für mich machen konnte. Obwohl ich meine Liebsten inzwischen sehr vermisse und mich Dinge wie zum Beispiel der Akkordeonspieler am Hamburger Hafen aus Annes Instagram-Story in Verzückung versetzt, weil sich so meine Heimatstadt anhört. Und wenn es eben nicht das Beste gewesen wäre, was ich hätte machen können, wäre ich halt  wieder zurückgeflogen. Dann hätte ich auch diesen Traum einfach ausprobiert, gelebt und dadurch wieder Platz für einen Neuen gemacht.

Wenn man das erstmal begriffen hat, ergeben sich plötzlich 1000 neue Möglichkeiten.

Easy.

Man muss ja auch nicht seinen Käfig sprengen und alle Knöpfe gleichzeitig drücken, laut „fickt euch“ rufen und ein No-Return-Ticket buchen. Es geht mir nicht primär ums Reisen, sondern ums machen! Wie wäre es damit, ganz langsam mit kleinen Dingen anzufangen, die man schon immer machen wollte…? Und sei es auch noch so unbedeutend und albern, wie mal alleine essen zu gehen. Früher war das ein riesen Ding für mich, ich habe mich immer rastlos dabei gefühlt und war unangenehm berührt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mir das einfach nicht leisten wollte.

Lunch in der Alpenkantine in Hamburg

Ja, ich habe dann irgendwann auch mal selber gemerkt, wie albern das ist und jetzt liebe ich es, mir diesen kleinen Luxus in meinem Alttag zu gönnen. Ich vermisse das Geld nicht und es macht mein Leben lebenswerter.

Meine liebe Freundin Astrid hatte vor einiger Zeit den Plan, ein Mal die Woche etwas zu machen, was sie noch nie zuvor gemacht hat. Vom Besuch in der schrulligen Eckkneipe bis hin zu Stand up-Paddeling. Großartig, oder?

Einfach mal den Kopf für neue Ideen zu öffnen tut mir wahnsinnig gut und kann ich jedem nur empfehlen. Manche Gedanken sind schnell wieder verworfen,  führen allerdings vielleicht zu neuen Vorhaben, auf die man sonst nicht gekommen wäre. Diese  auszuleben fühlt sich so aufregend und spannend an wie ein erstes Date. Und genau diese Kleinigkeiten führen zu großen Ereignissen.

Worauf wartest du? Fang ganz einfach und klein an. Ganz langsam.

Take Babypenguinsteps. Just go for it. ❤

IMG_7497.JPG Aus Lasses Neuseelandfotoalbum <3[/caption] SaveSave

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2 Replies to “Das Leben ist zu kurz für irgendwann”

  1. Ganz toller Blogbeitrag! Ich finde das Thema super wichtig und man sollte sich das zu jeder Zeit immer wieder vor Augen führen. So ging es mir beispielsweise die ganze Zeit mit Tattoos – ich scheute mich, weil ich Angst habe, dass es mir später nicht mehr gefällt und es eben ein Commitment ist, welches man damit eingeht. Aber wen juckt es denn, wenn ich mit 40 ein Tattoo habe? Und wenn ich mit 60 darauf blicke wird es mich an meine Jugend erinnern und das ich nicht bereuen muss, gewisse Dinge nie ausprobiert oder getan zu haben! Jawohl, einfach machen! Liebe Grüße, Julia

    1. Liebe Julia, vielen Dank für deine lieben Worte! Genau so sieht es aus. Das Problem mit dem Tätowieren ist folgendes: du hast irgendwann keinen Platz mehr. 😅 Wenn du da schon lange Bock drauf hast, mach es! Such dir einen guten Artist und dann wirst du sehr lange sehr viel Freude mit deinem Tattoo haben. Schicke dir die liebsten Grüße!

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