…und auf einmal arbeite ich für Galileo. 

Das Leben geht manchmal wirklich sehr seltsame Wege. Wobei ich das “manchmal” streichen und durch “nahezu immer” ersetzen sollte. Denn anscheinend musste ich erstmal um die halbe Welt reisen, um zu realisieren, was ich wirklich will.

Ich kenne das Gefühl, dass alles im Zeitraffer passiert, aber so extrem wie hier in Melbourne ist es selbst für mich eine komplett neue Erfahrung. Ich lebe quasi im Zeitraffer des Zeitraffers. In Hamburg habe ich 2 Jahr gebraucht, um zu realisieren, dass eine Situation nicht zu mir passt. In Melbourne reichen mir 2 Monate. Und so schmeiße ich schnell (aber intensiv überlegt) Dinge über Bord, die nicht mehr meine sind. Schäle Situationen ab, die nicht zu mir passen. Erlaube mir immer wieder aufs Neue, meine Komfortzone zu verlassen und mein Leben so zu leben, wie ich es will.

Genau deswegen habe ich vor einigen Wochen meinen Job als Café Assistent gekündigt, mich wieder selbstständig gemacht und mir eine Wohnung mitten im Herzen der Stadt gesucht.

Ich habe gemerkt, dass ich zu viel Zeit mit einem Beruf verbringe, für den mein Herz nicht langfristig schlägt. Meine Kreativität blieb unausgelebt, meine Energie verpuffte einfach. Ich war wegen meiner 5-tägigen Vollzeitstelle und der Überstunden nur noch müde und wollte schlafen. Sicher hat mir die Arbeit Spaß gemacht, aber die 2 Monate in der Patisserie haben mir gereicht um zu realisieren, dass das alles ja ganz schön, aber eben nicht für mich gemacht ist.

Meine Liebe gehört jeder noch so kleinen Facette meiner Kreativität: Schreiben, fotografieren, filmen. Doch dafür brauche ich Zeit. Ich brauche Raum, um meine Leidenschaften zu leben. Den habe ich mir ein Mal mehr genommen und plötzlich ging alles ganz schnell.

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Ich liebe dieses Foto. Ein Freund von mir hat es an dem Tag gemacht, als ich mit dem Gedanken gespielt habe, zu kündigen. Und er hat den Moment zwischen meinen Posen gefunden, der so viel Vertrauen und Zuversicht ausstrahlt.

Ziemlich genau zu der Zeit, als ich mich dazu entschlossen habe zu kündigen, erreichte ein ‘Trend’ aus Melbourne  namens “Avolatte” Deutschland. Diesen typisch australischen Scherz  hat in Deutschland kaum einer begriffen. In den sozialen Netzwerken wurde fortan heftigst über die Hipster geschimpft – was mir zunächst an und für sich ziemlich egal war.

Avolatte

Doch eines Morgens kam mir im Halbschlaf die Idee, dass ich herausfinden muss, in welchem Café dieses Video gedreht worden ist. Warum auch immer – ich wollte unbedingt die Story weiter drehen. Ich wollte erzählen, dass es ein Scherz war und sich alle wieder beruhigen können (wobei ich mich ja immer noch frage, wie man sich ernsthaft über einen Latte in einer Avocado aufregen kann, aber das ist ein anderes Thema). Ich kann gar nicht genau sagen warum ich die Story erzählen wollte. Sie hat einfach ein Gefühl ausgelöst, das mich sehr zum Strahlen gebracht und sich richtig angefühlt hat.

Also habe ich kurz recherchiert, im Truman Café angerufen, mich mit Jaydin Nathan, dem Barista, verabredet und dieses Video gedreht:

Der Schnitt hat wegen der Untertitel sage und schreibe 14 Stunden gedauert. Plus Drehzeit und Anfahrt waren das gut 18 Stunden Arbeit. Ich wurde dafür nicht bezahlt und hatte, bis auf meinen Spaß an der Sache, keinen Grund all die Arbeit auf mich zu nehmen. Doch wenn ich mich erstmal in etwas verbeiße, kann ich so schnell nicht davon lassen. Dass sich die Arbeit derart auszahlen sollte, ahnte ich nicht ansatzweise.

Bevor ich mich 2014 zum zweiten Mal wieder komplett selbstständig gemacht habe, habe ich mehrere Jahre für den NDR gearbeitet. Ich habe Radiostücke recherchiert und umgesetzt usw. Anschließend habe ich mich eher dem Entertainment als dem klassischen Journalismus verschrieben. Also habe ich meine herzallerliebste Freundin Astrid gefragt, ob sie Töne von Jaydin für einen Beitrag haben will (sie arbeitet immer noch für den NDR). Ihre Reaktion: “Biete das doch selber an!” 

Habe ich.

Und so kam es, dass ich nun unter anderem freie Autorin für Deutschlandfunk Nova bin. (Hier geht es zum Beitrag) Kurz darauf hat das Team von Galileo sich bei mir gemeldet und mich gefragt, ob ich für sie drehen will. Also bin ich wieder ins Truman Café gefahren, habe noch mal mit Jaydin gedreht und gestern lief der Fake News-Beitrag mit meinen Bildern aus Melbourne über die Avolatte auf Prosieben.

Linn & Jaydin
2. Dreh mit Jaydin

Ja, das Leben geht sehr seltsame Wege. Ich musste mehr als 16.000 Kilometer weit reisen und insgesamt fast ein halbes Jahr in der Gastronomie arbeiten, um zu realisieren, wie wahnsinnig wohl ich mich in meiner bunten Welt namens “Food Journalismus” fühle. Und dass der Job, in dem ich 2006 als Praktikantin begonnen habe, immer noch mein Ding ist. Weil er mit mir gewachsen ist und jetzt mit mir in ganz neue Dimensionen fliegt.

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Immer mit Rucksack und jetzt auch noch mit neuer Frise auf in Melbournes bunte Foodwelt

10 Replies to “…und auf einmal arbeite ich für Galileo. ”

  1. Linn, lese das jetzt erst und – das ist ja der Hammer! Passend dazu bin ich gestern erst über deinen Gast-Post auf Lilis Diary gestolpert 🙂
    Riesengrinsen hier in Bayern auf meinem Gesicht. Danke fürs Teilen, ich schick dir im Gegenzug warme Gedanken und ein HighFive nach DownUnder.
    Und immer wieder: Wege entstehen, indem man sie geht.
    Rike

    1. Liebe Rike, ich lese deinen Kommentar jetzt erst und freue mich mega darüber!!! „Wege entstehen, indem man sie geht“ – was für ein toller Spruch!!! Ganz viele liebe Grüße inzwischen aus Hamburg

  2. Hallo Linn !
    Ich finde toll was du machst !! Du bist mein klasse Vorbild ! Und… du siehst toll aus mit deiner neuen Frisur ! Leider hatte ich zwischenzeitlich nicht immer Zeit alles von dir zu verfolgen . Das hole ich jetzt nach . Alles Gute Dir weiterhin .Ich freue mich dich bald wieder zu treffen ! Viele liebe Grüße, Kerstin

    1. Liebe Kerstin, DANKE für deine lieben Worte! Wie schön es ist, so viel Liebe zu lesen….!!! Das bedeutet mir ganz ganz viel. Ich hoffe von Herzen, dass es euch gut geht und schicke dir eine dicke Umarmung!

  3. Hallo liebe Linn,

    toller Beitrag und herzlichen Glückwunsch 😊

    Wie machst Du Dich denn in Australien als Deutsche selbstständig? Geht das im Rahmen des Work & Travel (dafür bin ich zwar eh zu alt)? Oder hast Du Dich in DE selbstständig gemacht? Fragen über Fragen 😊

    Seit meinen Work & Travel 2006 bin ich Australien total verfallen und liebe es einfach 💜

    Liebe Grüße nach Oz

    Alexandra

    1. Liebe Alexandra, ich war schon in Deutschland selbstständig und mache jetzt einfach von hier meine Jobs. Anderer Schwerpunkt, andere Arbeitgeber, aber es läuft. <3 Es tut ganz gut zu wissen, dass ich noch das Working Holiday Visum im Rücken habe, notfalls kann ich also immer wieder kellnern. Das Ziel ist allerdings, dass ich komplett ortsunabhängig arbeiten kann. Schicke dir die liebsten Grüße und freue mich sehr über deine Zeilen!

      1. Hallo liebe Linn,

        ich verfolge Deinen Blog weiter fleißig und bin begeistert!! Ich habe mir auch vor ein paar Jahren, direkt nach dem Erscheinen, das Buch von Meike Winnemuth gekauft und finde es toll.

        Wenn ich Bücher wie dieses lese, werde ich innerlich ganz kribbelig und unbändige Freude und Mut erfasst mich. Ich sitze mit glänzenden Augen auf dem Balkon/in der Bahn/in meiner Wohnung und könnte vor lauter Tatendrang Bäume ausreißen und sofort losbrechen. Dann sind meine Träume nämlich auf einmal ganz klar und ich weiß genau, was ich tun muss und wo ich hin möchte.

        Aber (es gibt immer ein Aber): Ich muss eingestehen, dass ich echt ein Schisser bin und meine Angst bisher immer gewonnen hat. Zwar bereise auch ich als Frau alleine die Welt (in meinem Urlaub), das ist kein Ding für mich.

        Aber ich habe mich noch nicht getraut, meinen Job zu kündigen und loszuziehen. Das ist eine Hürde, die mir so viel Angst macht, dass ich wie ein Reh im Scheinwerferlicht erstarre und mich nicht mehr bewege. Lieber verharre ich und stelle mich tot. Und genauso fühlt es sich an. Nicht richtig tot, aber auch nicht lebendig. So ein Zwischending halt. Und das ist wahrlich kein schöner Dauerzustand. Wenn nur diese Angst nicht wäre…. Vorm Scheitern, Versagen, den ,Hab ich’s dir doch gesagt’s‘, der Arbeitslosigkeit, ggfs. verbunden mit sozialem Abstieg, etc…. (so sehr ich meine Fantasie, um Geschichten zu schreiben auch liebe, so sehr kann sie bei Angst ein Fluch sein).

        Nach all den Reisen in den vergangenen Jahren möchte ich Deutschland als meine Home Base behalten und von hier aus immer wieder in meine Abenteuer aufbrechen, um dann zurückzukehren. Mit lauter verrückten Plänen für neue Abenteuer 🙂 Ich möchte und brauche die Freiheit loszuziehen, wann ich möchte. Aber diese Art von Freiheit hat natürlich ihren Preis, nämlich die Unsicherheit der Selbstständigkeit.

        Mein Traum von der Selbstständigkeit ist es, exklusive Yoga- und Abenteuerreisen nur für Frauen zu organisieren und anzubieten. Kleine Gruppengröße von max. 8-10 Frauen.

        Und daran arbeite ich nun nebenberuflich. Nächstes Jahr im Mai soll es nach Nicaragua gehen und ich bin schon total aufgeregt! Hoffentlich finde ich 10 reisefreudige Mädels, die mitkommen!

        Liebe Grüße nach down under!

        Alexandra

        P.S. Vielleicht magst Du ja mal einen Beitrag zum Thema Selbständigkeit schreiben. Das würde mich total interessieren. Und einen Beitrag über Dich, da ich keine ,Über mich‘ Seite gefunden habe.

      2. Liebe Alexandra, vielen Dank für deine liebe Mail. Meine Reise begann bereits 2014, als ich angefangen habe zu Meditieren. Mein großer Traum war es ebenfalls loszuziehen, aber das war damals einfach noch eine Nummer zu groß für mich. 3 Jahre später bin ich da, wo ich es mir damals erträumt habe. Ich glaube fest daran, dass alles seine Zeit hat und dass es nur gesund ist, in seinem eigenen Tempo seinen Weg zu gehen.
        Deine Idee klingt sehr lieb, ich drücke dir die Daumen, dass alles so schön wird wie du es dir ausmalst.
        Ich schicke dir die liebsten Grüße aus Melbourne !
        Linn

        Ps: ich habe gestern aufgrund deines Hinweises ein „Über mich“ Button eingepflegt. Danke für den Tipp!!! ❤️

  4. Klasse, was aus einem werden kann, wenn man morgens in HH bei fremdem Menschen Türrahmen streicht 🙂 Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg! Du machst es genau richtig 🙂

    1. Lieber Martin, vielen Dank für deine lieben Worte! Das wir diese Aktion gemacht haben, ist ja schon ewig her…! 🙂 Und ja, wenn man so zurück blickt, ist es immer irgendwie toll zu sehen, wie sich das Leben entwickelt. Schicke dir ganz viele liebe Grüße!

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