5 Erkenntnisse für mehr Leichtigkeit

Nächste Woche Samstag hätte ich eigentlich den Rückflug nach Deutschland antreten sollen. Eigentlich, denn bereits im Februar habe ich gemerkt, dass 6 Monate auf einem anderen Kontinent viel zu kurz sind. Wofür auch immer. Also habe ich den Rückflug gecancelt, habe meine anderen (Reise)pläne nach hinten verschoben und bin in Melbourne geblieben.

Dass der 01. Juli immer näher rückt, ist ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ich werde oft nach meinen Plänen gefragt und ich kann keine Antwort darauf geben. Ich spiele mit ganz vielen Gedanken und werde das machen, was sich richtig anfühlt. Was ich allerdings weiß ist, dass der Schritt aus meiner muckeligen Komfortzone genau richtig war. Ich wurde ständig auf eine immer andere Art und Weise mächtig durchgerüttelt und habe allerhand gelernt. Es ist so viel mehr als diese 5 Punkte, doch irgendwie muss man ja anfangen, nicht wahr?

1. Wertschätzung. Oder: wie toll ein Fön sein kann!

Ehemals vollkommen alltägliche Gebrauchsgegenstände werden zum absoluten Luxus. Ihr glaubt gar nicht, wie fröhlich mich inzwischen die ehemals so alltäglichen Dinge machen. Zum Beispiel als ich nach 5 Monaten mit meinem Reisefön im Fitnessstudio einen modernen Hochleistungsfön benutzt habe. Freude pur! Auch sehr gut: das erste Mal nach 2 Monaten im Hostel wieder in einer richtigen Küche (mit einer Pfanne ohne schiefen Boden) kochen und in einem Einzelzimmer zu schlafen.

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2. #Housegoals auf Eis legen

Ich bin mit 17 ausgezogen und habe fast immer alleine gewohnt. Hätte mir jemand gesagt, dass ich 2 Monate in einem 8er Zimmer leben würde, hätte ich wahrscheinlich ziemlich verächtlich “is richtig!” geantwortet und hinzugefügt, dass ich das niemals machen würde. Tja, habe ich aber. Inzwischen habe ich unter anderem in einem Auto gewohnt (nur eine Woche als ich auf der Great Ocean Road unterwegs war), Housesharing mit einer Mutter und ihrem Sohn betrieben, bin zwischenzeitlich in einer WG untergeschlüpft und jetzt teile ich mir eine Wohnung mitten in der City mit einem Pärchen. (Gehört auch in die Kategorie “Oh Gott, wie schrecklich! Niemals!”) Lebt sich momentan allerdings sehr gut.

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#Housegoal-Haus in den Suburbs

3. Hilfe.

Es kommt immer ein Moment, an dem man Hilfe braucht. Und Achtung, nach Jahren von “ich schaffe das schon alleine” erlaube ich mir jetzt, um Hilfe zu bitten. Das können ganz banale oder ziemlich große Dinge sein – Hauptsache fragen, wenn man merkt, dass man alleine nicht weiter kommt.  Fällt mir immer noch nicht leicht, wird aber besser.

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4. Du kannst viel mehr als du denkst.

Ich habe das Gefühl, dass wir uns ständig mit einem “Oh, das könnte ich ja nicht” limitieren. Sei es „weil wir das ja noch nie so gemacht haben“, es „sich nicht gehört“, oder man glaubt, es tatsächlich nicht zu können. Wenn man seine vertraute Umgebung verlässt, ist es allerdings oft unumgänglich, dem sich zierenden “oh das könnte ich aber nicht” genau das aktive Gegenteil zu beweisen. (Insbesondere, wenn sich währenddessen ein aufgeregtes Kribbeln einstellt, unbedingt machen!!!)  Oftmals fühlt es sich danach sehr gut an. Sei es, weil ich die Situation hinter mir habe, oder weil es mir besagte Sache tatsächlich richtig viel Spaß gemacht hat. Die mich wahnsinnig inspirierende Journalistin Meike Winnemuth nennt das “den Mut-Muskel zu trainieren.” Ach, ich liebe diese Frau!

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Zuversichtlich grinsend einfach loslegen

5. Lass dich ins Leben fallen!

Das sagt sich so herrlich leicht (insbesondere wenn man ein recht großes Sicherheitsbedürfnis hat) und ist doch oft so wahnsinnig schwer umzusetzen. Wir schleppen so viel unnötigen Ballast allein in unseren Gedanken mit herum. Ich setze mich zum Beispiel ständig unter Druck, hinterfrage wahrscheinlich zu viel in zu kurzer Zeit und würde am liebsten 10 geteilt alles auf einmal machen. Ins Leben zu vertrauen, Dinge an zu packen, nicht wissen was draus wird und trotzdem nicht panisch zu werden ist an manchen Tagen eine immense Herausforderung.

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Streetart in der Hosierlane

Seien wir mal ehrlich: ganz egal, wo wir sind und was wir machen – wir glauben es zwar, wissen allerdings nie, was das Leben mit uns vorhat. Das merke ich hier ganz extrem. Es ist, als ob sich täglich eine andere Schicht names “brauche ich nicht” abschält. Die ersten Monate hier waren für mich wie in einem Rausch namens “Neuorientierung“, der nur einen gewissen Tunnelblick zuließ. Dementsprechend habe ich einfach mal während dieser Zeit keine Nachrichten geguckt und komplett auf meinen Lieblingspodcasts “Fest und flauschig” verzichtet. Ich hatte einfach keinen emotionalen Raum dafür. Den habe ich jetzt und höre sämtliche Folgen nach (heute waren es 4 und ich bin immer noch erst bei Mitte März!!!). Olli Schulz hat in einer der Folgen, die ich heute gehört habe, zum Ende der Sendung ein ganz zauberhaftes Gedicht von Rilke vorgelesen. Ich finde es eignet sich hervorragend, um dieser hektischen “du brauchst doch einen Plan!/ was ist, wenn”-Stimme in meinem Kopf ganz sanft das Maul zu stopfen. (Insbesondere mit dem letzten Absatz!)

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10 Replies to “5 Erkenntnisse für mehr Leichtigkeit”

  1. Ich freue mich wahnsinnig, dass es dir so gut geht und verfolge mehr als gespannt deinen Weg. Sehr neugierig bin ich auch auf dein Projekt, das du mit dem „Zimt“ vorhast!
    Dein Mutmuskel hat bestimmt schon Popeye-Ausmaße, haha 🙂
    Bei meinem „Mutausbruch“ – wenn auch längst nicht so spektakulär wie deiner – hat mich übrigens das Lied „Das Motiv“ von Bodo Wartke sehr inspiriert. Ich weiß nicht genau, ob das deine Musik ist, aber vielleicht gefällt es dir ja. Das Rilke-Gedicht finde ich jedenfalls auch toll und ich danke dir fürs teilen! Ich freue mich, mehr von dir zu lesen. Wird es eigentlich weitere Bücher von dir geben?
    Ganz liebe Grüße aus München!

    1. Liebe Katharina, Danke für deine lieben Worte! Ich finde es so schön zu sehen, wie du dich freust! Für das Zimt arbeite ich nicht mehr. Ich habe gekündigt, damit ich meine freien Sachen machen kann.
      Ich will definitiv weitere Bücher schreiben, momentan bewege ich mich aber in Babysteps vorwärts. 🙂 Warum hat es dich denn nach München verschlagen? Mutausbruch finde ich übrigens ein großartiges Wort und den Song höre ich mir gleich an. Liebe Grüße zurück!

      1. Hallo liebe Linn,
        Ich habe meinen sicheren Job an den Nagel gehängt und bin nach München, um hauptberuflich als Sprecherin arbeiten zu können 😉 du weißt ja, dass Berlin nicht mein Fall war, also hab ich mich für münchen entschieden. 🙂
        Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht!
        Alles Liebe!

  2. Ich finde es absolut begeisternd und inspirierend wie du beschreibst, was dich befreit. Ich lese gerne deine Beiträge und sehe eine wirklich interessante Entwicklung einer tollen Persönlichkeit.
    Irgendwann wirst du deine Ansichten wahrscheinlich wieder überdenken, denn das machen wir ja eigentlich ständig, und irgendwann wirst du auch wieder mit einem „konservativen“ Leben glücklicher sein.
    Du solltest aber diese Zeit jetzt genießen, dein Mensch sein genießen, deine freue Entscheidungskraft und Spontanität!!
    Ich wünsche dir ganz viel Erfolg, Glück, Gesundheit und die Kraft, „Du“ zu sein!!

    1. Lieber Benjamin, vielen Dank für dein Feedback. Ich weiß genau was du meinst und kann mir auch gut vorstellen, dass eines Tages der Moment der Reisemüdigkeit kommt. Der Wandel ist das einzig Beständige im Leben, nicht wahr? Ich schicke dir viele Liebe Grüße aus Melbourne

  3. sehr schön verfasst und vor allem hoch inspirierend deine Zeilen, in manchen Dingen sehe ich mich wieder. mit einem Wort, Danke. Für dich eine tolle Zeit in Melbourne und einen super Sonntag 🙂 LG, Sissi

    1. Liebe Sissi, vielen Dank für deine lieben Zeilen! ich freue mich total, dass ich dich inspirieren kann – was für ein tolles Kompliment! Ich schicke dir die liebsten Grüße aus Melbourne!

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