Melbournes Coffee-Madness

Melbourne ist bekannt für seine lebhafte Kaffeeszene. Morgens sind die Schlangen in den Coffeeshops genauso lang wie manch eine Kaffeebestellung, in einigen Cafés befinden sich die Röstereien sogar direkt im Laden. Es gibt „Cold Brews“, „Babychinos“ und „Magic“ in der Tasse. Ein kleiner Guide durch Melbournes zauberhafte coffee-madness.

Selbstversuch.jpg
Ja, die Avo-Latte war nur ein Scherz des Truman Cafés

Wenn ihr jemals auf der Suche nach dem perfekten Kaffee gewesen seid, werdet ihr in Melbourne garantiert fündig. Die Kaffeekultur wird hier derart ausgelebt und zelebriert, dass Eltern ihren Kindern “Babychinos” ordern (Milchschaum mit Kakaopulver und extra Marshmellows) und es vollkommen normal ist, wenn die alltägliche Kaffeebestellung folgendermaßen klingt: “One large, skinny, strong Cap, extra extra hot, no choc on top, 3/4, to take with one. Oh and with extra froth and hot water on the side!” Könnt ihr euch vorstellen, wie ich geguckt habe, als ich angefangen habe im Café zu jobben? Ungefähr so:
IMG_7317

Oder habt ihr schon mal jemanden getroffen der

“Einen großen,

  • extra, extra heißen (es gibt einen Unterschied zwischen heiß und extra, extra heiß)
  • starken (ein zusätzlicher Espresso)
  • Cappuccino (klassischer Weise mit Kakao auf und unter dem Schaum)
  • mit Magermilch
  • ohne Kakao (ist dann eigentlich ein Flat White, aber egal)
  • mit einem Löffel Zucker (hier mixt der Barista den Zucker direkt in den Kaffee. Manche Leute ordern tatsächlich 1/4 Zucker)
  • 3/4 (kann 3/4 voll oder 3/4 Milch bedeuten, muss man immer nachfragen)
  • zum mitnehmen…
  • Oh, mit extra Schaum und heißem Wasser!”

bestellt?

02 Der Coffeeshop Market Lane am Wochenende.jpg
Gehört zu jedem Marktbesuch: Market Lane Coffee

Ja, die Melbournians sind sehr eigen was ihren Kaffee betrifft – und experimentierfreudig:

Coffeeshops verkaufen seit Neuestem Filterkaffees oder für viel Geld (7 australische Dollar) Cold Brews (kaltgebrauter Kaffee, der wie ich finde, sehr dünn schmeckt) in den wildesten Variationen wie Erdbeere oder Kirsche und manche Läden haben sogar eine eigene Rösterei direkt im Shop.

IMG_9761.jpg
Plopp. Meditativ fallende „cold brew“-Tropfen im Long Story Short
IMG_8149.JPG
Barista-Linn im April 2017

Die „Avo-latte“, also ein Café Latte aus einer Avocadoschale war allerdings nur ein Scherz des Truman Cafés, den außerhalb Australians kaum einer verstanden hat:

Es gibt einen Unterschied zwischen Iced Latte (nur mit Eiswürfeln) und Iced Coffee (mit Eiscreme und Sahne) und wer richtig hip ist, bestellt einen “Affocato” (eine Kugel Espresso-Eiscreme, die mit Espresso übergossen wird).

04 Affogato.jpg
Der Affogato, fotografiert bei Industry Beans

Morgens und mittags sind die Schlangen in den Coffeeshops zwar irre lang, doch es wird meistens sehr geduldig gewartet. Ein guter Kaffee braucht Zeit und die nimmt sich hier fast jeder. Nahezu jeder Barista (hat Tattoos und einen Bart btw) beherrscht Latteart und ein guter Kaffee ist nur dann ein guter Kaffee, wenn die Milch weich, seidig und nicht zu heiß ist. (*außer ein Kunde ordert einen extra heißen Kaffee, aber das ist ein anderes Thema, siehe oben)

FullSizeRender 18.jpg
Extra starker Schwan. Fotografiert im Truman Café

Absolut hinreißend finde ich bei all dieser charmanten Beklopptheit, dass man nur in Melbourne eine Tasse “Magic” bestellen kann. Mir ist diese Kaffeekreation immer eine Nummer zu klein, wer allerdings von wenig Kaffee sehr wach werden möchte, bekommt einen doppelten Ristretto (= ein sehr starker Espresso, der ein bisschen nach Schokolade schmeckt) mit einem Schuss heißer Milch in einer kleinen Tasse serviert.

06 Eine Tasse Magic, bitte.jpg
It’s MAGIC! Fotografiert bei Industry Beans

Apropos Espresso: Espresso heißt in Melbourne short/ long black, Latte Macciato gibt es nicht und ist keinesfalls mit Cafe Latte gleichzusetzen. Wer viel Kaffee in kurzer Zeit trinkt, outet sich automatisch als Europäer und wird bei der Bestellung mit großen Augen angeguckt (ich weiß wovon ich spreche).

07 Mokka.jpg
Der Mokka. Ein Kaffee, wie eine schokoladige Umarmung. Fotografiert im Miss Frank

In den Systemen der Coffeeshops gibt es zwar unzählige Buttons für Extrawünsche, doch wer nachmittags Kaffee trinken möchte, steht meistens vor verschlossenen Türen. Sehr widersprüchlich zur exzessiv zelebrierten Kaffeekultur Melbournes ist nämlich, dass die Cafés spätestens um 16.00 Uhr schließen. Dafür wird der Kaffee nicht nur zum Frühstück, sondern auch während des Mittagessens und nicht danach getrunken.

IMG_0092.jpg
Eines der stylishsten Cafés der Stadt: Kitty Burns

Nach all den Erklärungen zur Kaffeekultur in Melbourne ist mir jetzt ein bisschen schwindelig. Aber vielleicht liegt das ja auch einfach an meinem zweiten (large, strong, no sugar, in house) Flat White.

FullSizeRender 19.jpg
Market Lane Coffee am Queen Victoria Market

Kommentar verfassen