You go girl! Warum Scheitern eine Illusion ist

Mein Herz,

Nach unserem wunderbaren Telefonat frage ich mich, ob die Angst davor zu Scheitern wohl das eigentliche Scheitern ist. Dieses starre Verharren in alten Gewohnheiten. Ich weiß, wie unglaublich schwer es ist, genau diese Gewohnheiten zu durchbrechen. Immer wieder aufs Neue kommt “die Angst” (irgendwie ist mir dieses Wort zu stark, um es ohne Anführungszeichen zu schreiben) vor was auch immer. Wie du weißt werde ich ja morgen nach Fiji fliegen (kreisch!) und danach die Ostküste Australiens bereisen. Was für fantastische Reisepläne, oder? Ich kann es selbst kaum glauben, wo ich mich überall vom Leben hintragen lasse.

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Lieblingsbild aus der Schanze. November 2016

Und trotzdem kommt sie immer wieder, diese nervige Existenzangst: “Ist ja alles so teuer!” “Wie willst du dir das alles leisten?” “Was ist wenn…” bla bla bla. Montag wurde mir klar, dass all mein Zeug nicht in meinen Koffer passt und es hat mich wahnsinnig gestresst. Ich weiß, wie lächerlich das klingt, doch obwohl es sich um ein absolutes Luxusproblem handelt, war es immer noch ein Problem für mich. Warum?

Obwohl mein nächstes Reiseziel zu einem der Destinationen gehört, von denen ich nie geglaubt hätte, dass ich selbst eines Tages mal da sein werde, ist es ein großer Schritt Melbourne zu verlassen. Ich habe hier 7 Monate gelebt und mich in meiner Komfortzone schön muckelig eingerichtet.

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Nö.

Ich glaube, dass dieser Stress mit dem zu kleinen Koffer durchaus auch was damit zu tun hatte, dass ich genau diese Komfortzone wieder verlasse (obwohl ich es will und die Weiterreise einzig und allein meine Idee war). Letzten Endes kommen immer wieder die selben Verhaltensmuster durch, ganz egal, wo auf der Welt man gerade herumspringt. Den ersten Schritt aus der Komfortzone zu wagen, ist nie einfach und meistens beängstigend. (Man weiß ja nicht was kommt und es könnte ja sein, dass ___ (<—Platz für unrealistische Dinge)… [caption id="attachment_media-8" align="aligncenter" width="2913"]FullSizeRender 22.jpg …es könnte ja sein, dass einem ein Kängusaurus begegnet. Great Ocean Road 02/2017[/caption]

So ein Quatsch! Just do it! Es wird immer alles einfacher, bis du irgendwann erfüllt von Leichtigkeit bist. Manchmal braucht es wahnsinnig viel Zeit, meistens geht es aber ganz schnell. Mir ist durch diese Koffernummer derart viel klar geworden, dass ich jetzt wie ein leidenschaftlicher Pianist mit fliegenden Haaren in die Tasten kloppe.

Ich möchte dass du weißt, wie sehr ich dich dafür feiere und LIEBE, dass du du selbst bist. Dass du dir erlaubst, Wege zu gehen, die du gehen möchtest, während andere Leute sich mit der flachen Hand an die Stirn schlagen und sagen “also das würde ich ja niemals machen!”, obwohl sie kurz davor sind, in ihrer profillosen Einfallslosigkeit unsichtbar zu werden.

You go girl! Lass dir nie etwas anderes einreden.

Es ist so normal, dass es Augenblicke gibt, wo wir verzweifelt sind und nicht weiter wissen und nicht den leisesten Schimmer haben, wie alles weiter geht. Momente, in denen die Angst uns fest in den eisigen Krallen hält. Das gehört dazu. Genau diese Augenblicke brauchen wir, um wachsen zu können. Um Wege zu finden, diese Gedankenmauern zu durchbrechen. Mir wird auf dieser Reise durch die Welt (und damit zu mir selbst) so viel klar. Unter anderem, dass die meisten Probleme nur in meinem Kopf stattfinden. In Momenten, wo sich die “Angst” also wieder anschleicht und mich fest in ihre kalten Arme nehmen möchte, sage ich mir, dass die Angst nicht existent sondern nur eine Illusion ist. Sofort bekomme ich eine sehr angenehme Distanz, sie wird weniger oder verschwindet ganz.

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Es gibt keinen Grund sich vor der Schönheit des Lebens zu verstecken. Streetart in Melbourne, Juli 2017

Vollkommen unabhängig davon, was du willst oder wie unwirklich deine Träume zu sein scheinen, denk immer daran, dass alles seine Zeit hat. Dass jeder Weg anders ist und es keinen Maßstab gibt. Setz dich nicht unter Druck und sei lieb zu dir. Tue einfach immer alles dafür, deiner Intuition zu folgen, dann kannst du gar nichts schiefgehen. Sicherlich werden Situationen kommen, die dich verletzen, die dir wehtun, aber all das ist Teil des Prozesses. Das alles gehört dazu.

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No worries. <3[/caption] Erlaube dir, zu scheitern. Btw: was ist das überhaupt? Scheitern? Mir wird just in diesem Moment klar, was für ein bescheuertes Wort das ist! Wann scheitert man denn wirklich? Man bekommt etwas nicht auf die Reihe, na und? Man trifft eine Entscheidung, stellt fest, dass es doch nicht die richtige war und macht -eine Erfahrung reicher- sein anderes Ding weiter. Ist doch super! Viel besser, als wenn man es nicht probiert hätte und für alle Zeiten “ach hätte ich doch” denkt. [caption id="attachment_7055" align="aligncenter" width="5173"]IMG_0255 Somewhere in the wilderness, july 2017

Es ist so traurig, wie sehr unsere Gesellschaft auf aalglatten Erfolg getrimmt ist, obwohl wir uns anscheinend alle nach mehr Persönlichkeit mit Ecken und Kanten sehnen. Die bekommt man allerdings nicht, wenn man immer nur kopfschüttelnd “also das würde ich ja niemals” redend in seinen ollen Bürostuhl pupst, sich den ganzen Tag davor fürchtet, einen Fehler zu machen oder nur anderen nach dem Mund redet. Entschuldige, aber mich regt das fürchterlich auf.

Da fällt mir ein ganz wunderbares Zitat von Edison ein. Nachdem er sehr viele Versuche gebraucht hat, die perfekte Glühbirne zu entwickeln, meinte er wohl:

“Ich habe einfach 9999 Wege gefunden, die Glühbirne nicht zu erfinden.”

So nämlich! Ich beantworte hiermit meine Anfangs gestellte Frage klar und deutlich mit JA! Etwas nicht zu tun, nur weil man Angst vorm Scheitern hat, ist definitiv die größte Form des Scheiterns. Alles andere ist nur eine Illusion. Ich glaube, dass es gut ist auch mal Angst zu haben. Noch wichtiger ist aber, sie in Mut umzuwandeln. Zu sehen, wie du das macht, inspiriert mich wahnsinnig.

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Streetart in Melbournes ACDC Lane, Juli 2017

Du aus meinem Herzen nicht mehr wegzudenken. Eben WEIL du bist, wie du bist. So schön, so stark. Mutig genug, verletzlich zu sein. Hungrig danach zu wachsen. Und weil ich Biografien und Zitate liebe, muss ich dir diese großartige Rede von Steve Jobs schicken. Lass dich von den 15 Minuten (und der 90er Jahre Qualität des Videos) nicht abschrecken, sie lohnen sich voll und ganz.

Ich umarme dich ganz fest. Und denk immer daran, zu welche schönen Bildern all die Punkte werden, wenn wir sie rückblickend verbinden.

Deine Linn

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4 thoughts on “You go girl! Warum Scheitern eine Illusion ist”

  1. Toll geschrieben!!
    Vor allem dein Satz: “ Etwas nicht zu tun, nur weil man Angst vorm Scheitern hat, ist definitiv die größte Form des Scheiterns.“ ist sowas von wahr und spricht mir aus dem Herzen!
    Ich muss mein altes Leben im nächsten Jahr auch unbedingt hinter mir lassen und raus in die Welt springen :-)!

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