Wie du mit wenig Geld die Welt bereist

“Australien, Fidschi – wie kannst du dir all das nur leisten?”, werde ich immer wieder gefragt. Um ehrlich zu sein, war das auch die größte Frage, die über allem schwebte, bevor ich losgefahren bin. Die Antwort ist ganz einfach.

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Strahlend weiße Strände, glasklares Meer in den verschiedensten Blautönen, Palmen: in die Südsee zu reisen war einer meiner größten Träume seit ich mich erinnern kann. Doch eine Reise auf die andere Seite der Erde gehörte in die Kategorie “was die anderen machen”. Bis zu dem Tag, als ich ins Reisebüro gegangen bin und 10 Tage Islandhopping in Fidschi gebucht habe.

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Islandhopping auf Fidschi

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Natürlich ist eine Reise nach Fidschi wesentlich bezahlbarer wenn man sie von Australien und nicht von Deutschland aus bucht. Ein günstiger Flug kostet rund 200 Euro, das Islandhopping wird je nach gebuchtem Paket bezahlt. Meines hat inklusive Essen 625 Euro gekostet. Ausflüge wie zum Beispiel das Schnorcheln mit Haien (12 Euro) oder Rochen (24 Euro) habe ich extra bezahlt.

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Einer der surrealsten Augenblicke meines Lebens: winzig kleine Inseln auf Fidschi, Juli 2017

Wie kannst du dir all das nur leisten?

Ich bin momentan mit einem Working Holiday Visum in Australien. Das bedeutet, dass ich bis zu 6 Monate lang bei einem Arbeitgeber arbeiten darf. Fidschi habe ich mir zum Beispiel von dem Geld gegönnt, das ich durch meine Arbeite als Barista und Fotografin in einem Café in Melbourne verdient habe.

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Dafür habe ich 2 Monate lang 10-12 Stunden 5 Tage die Woche gearbeitet. Glücklicherweise gehörte besagtes Café zu denen, die einem am Samstag gut 10 Dollar mehr und am Sonntag knapp doppelt so viel Stundenlohn zahlen. (Das sollte in Australien eigentlich die Regel sein, allerdings bildet das in der Realität eines Working Holiday Visa-Eigentümers eher die Ausnahme.) Da ich immer am Wochenende gearbeitet habe, war die Kohle relativ schnell zusammen. Diesen Job habe ich nach 2 Monaten allerdings wieder gekündigt, weil er mich all meine Energie gekostet hat und ich nur noch müde war.

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Arbeit als Barista, Melbourne April 2017

Durch die skurrile Geschichte der Avolatte bin ich zeitgleich auf die Idee gekommen, wieder als freiberufliche Journalistin zu arbeiten.

Ich arbeite seit 2006 in den Medien, angefangen hat alles mit einem Volontariat bei Radio Hamburg. Seitdem habe ich unter anderem als Reporterin, Redakteurin, Synchron- und Werbesprecherin, Moderatorin, Texterin, Autorin, Videojournalistin, Social Media Managerin und Fotografin gearbeitet. Momentan produziere ich zum Beispiel Beiträge für Deutschlandfunk Nova, Galileo oder Cosmo, die junge Welle des WDR. Wann ich arbeite, entscheidet einzig und allein meine Auftragslage und die ergibt sich aus dem Erfolg/ der Kreativität meines Themenangebotes. Langfristig ist mein Ziel definitiv, als digitale Nomadin mein Geld zu verdienen. Solange ich mein Laptop, mein Mikro, die Kamera und mein iPhone habe, kann ich von überall aus arbeiten.

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Ein typischer Linn-Tisch, Fidschi August 2017

Mir hilft es zudem wahnsinnig, dass ich vor meiner Reise Geld zurück gelegt habe und kann jedem nur empfehlen, ein bisschen Geld auf der hohen Kante zu haben. Zusätzlich finde ich es sehr beruhigend, mein Arbeitsvisum im Background zu wissen. Sollte ich also wirklich wieder zuverlässig Geld verdienen müssen/ wollen, würde ich einfach wieder als Kellnerin jobben. Momentan habe ich allerdings genug Erspartes, um mir eine kleine Auszeit zu gönnen.

Natürlich wohne ich nicht in Luxushotels sondern in Hostels oder WG’s. Mein Lebensstandard hat sich seitdem ich auf Reisen bin fast komplett geändert. So lange ich ein sauberes Bett und meine Ruhe habe und niemand stinkt, ist alles fein. Kurz zusammen gefasst: “Du arbeitest so lange, bis du genug Geld zum reisen hast und reist so lange, bis du wieder arbeiten musst.”

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Die wunderbare Audrey. Quelle: Just yoga it, Instagram

Oder du baust dir ein komplett neues Leben auf: Meine Freundin Audrey ist Yogalehrerin, studiert Personal Training in Australien und verdient inzwischen ihren Lebensunterhalt als Yogalehrerin in Perth. Wie viel Arbeit in ihrem Lebenstraum steckt, verrät sie euch auf Instagram, Facebook und ihrer Website.

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Die wunderbare Audrey. Quelle: Just Yoga it, Instagram

Das passiert natürlich alles nicht einfach so. Sich immer wieder zu bewerben, an sich und seinem Mindset zu arbeiten und auf neue Situationen einzulassen ist gerade anfangs wahnsinnig anstrengend. Ich habe oft Momente, in denen ich unsicher bin, sich das Panikkarussell im Kopf wie wild anfängt zu drehen und mir immer wieder die Frage an den Kopf schmeißt, wie es denn finanziell in den nächsten Monaten sein wird. Auch Audrey kamen neulich in ihrer Instagram-Story die Tränen, weil sie ihre Heimat Österreich vermisst. All diese Emotionen gehören schlicht und ergreifend mit dazu. Sie gehen vorbei und jedes Mal gehe ich gestärkt aus ihnen hervor. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, nicht wahr? Mal ganz davon abgesehen ist “zuhause” ja auch nicht immer alles eitel Sonnenschein, wie man so schön sagt. Ich habe auf meinen Reisen aber auch viele Leute kennen gelernt, die sich ihren Traum auch ganz ohne Arbeitsvisum erfüllt haben: In Lissabon habe ich letztes Jahr beim Frühstück im Hostel mit einem Neuseeländer geschnackt, der die Welt mit dem Fahrrad bereist. Ich schätze ihn auf Ende 50 und durch die Untervermietung seines Hauses hat er während der Tour sogar Geld verdient ohne arbeiten zu müssen. Vorgestern habe ich den Briten Michael kennen gelernt, der ebenfalls auf seinem Fahrrad die Welt bereist. Er hat 9 Jahre lang in einem festen Job gearbeitet, bis er gekündigt hat und nun von seinen Ersparnissen lebt.

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Bali, September 2017

Viele Leute haben aber auch einfach im Vorfeld eine komplette, maßgeschneiderte Tour gebucht. Clara zum Beispiel wohnt in Hostels, macht Ausflüge und bereist in einem Monat in Greyhound Bussen die Ostküste Australiens. Dafür hat sie 2.500 Pfund bezahlt (rund 2.700 Euro ). Sobald sie länger als geplant an einem Ort bleiben möchte, muss sie allerdings eine Gebühr bezahlen. Ein sehr extremes Reise-Beispiel liefert Tomislav Perkov. Er hat auf seiner Weltreise fast kein Geld ausgegeben, dafür hat er allerdings auch schon mal die Reste von Tellern in Pizzaläden geklaut oder in Parks übernachtet. Inzwischen hält er Vorträge, wie man ohne Geld die Welt bereisen kann und schreibt Bücher darüber.

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Noosa, Australien, August 2017

Es gibt unglaublich viele Wege, wie man sich seine Reisen finanzieren und sein Leben gestalten kann. Sei es eine kleine Auszeit von ein paar Monaten, ein Urlaub oder die Auswanderung: alles ist möglich. Und wenn man sich erstmal auf den Weg begibt, passieren oft sogar im positivsten Sinne Dinge, die man nie für möglich gehalten hätte. Wenn ich also eines gelernt habe, dann, dass nicht das Geld die größte Hürde ist, sondern einzig und allein der Wille. Wenn man das begriffen hat, steht einem die ganze Welt offen.

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2 thoughts on “Wie du mit wenig Geld die Welt bereist”

  1. Ach, liebe Linn! Ich freue mich immer so darüber, dass du genau das machst, aber vor allem darüber schreibst und diese Erfahrungen teilst. Ich stimme dir voll zu, dass das größere Hindernis das eigene Mindset ist oder es ist eben auch der beste Motor. Je nachdem wie es eingestellt ist. Ich war lange genauso unterwegs und bin immer fasziniert wie wenig (Hab und Gut)man braucht, um glücklich zu sein. Das Gefühl der Freiheit ist einfach unschlagbar und auch die Erlebnisse. Ich kenne auch das Karussell im Kopf, doch finde ich, dass es sich hier Zuhause (im vermeintlich sicheren Nest, mit festen Aufträgen und Wohnung und SchnickSchnack) sogar öfter und schneller dreht, als auf den Reisen.
    Mach weiter so, lass dich nicht beirren, folge deinem Bauchgefühl und Herz. Ich freue mich auf jeden deiner Artikel und über die schönen Bilder.
    Wer weiß, vielleicht laufen wir uns über den Weg am anderen der Welt, arbeiten kann man schließlich von überall. Liebste Grüße, Isa

    1. Liebe Isa, ich freue mich so sehr über deinen Kommentar! Feedback wie deines trägt dazu bei, dass ich das Bloggen und das Schreiben solcher Artikel als wahnsinnig wertvoll und bereichernd empfinde. Ich schicke dir ganz viel Sonne aus Byron!

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