Vulkanausbruch? So ist die Stimmung auf Bali

Eigentlich wollte ich euch heute meine Lieblingscafés Ubuds vorstellen, die müssen jetzt allerdings noch eine Runde warten. Grund dafür ist Mount Agung. Medien zufolge könnte der aktive Vulkan auf Bali “jederzeit ausbrechen”, seit Freitagabend gilt Alarmstufe 4. (Stand Sonntagmorgen, 24.09.2017) Einige Medien verbreiten Panik, andere schreiben sachlich über die höchste Alarmstufe und Evakuierungen. Doch wie ist die Stimmung vor Ort?

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Einer der aktiven Vulkane Balis: Mount Batur

Ich weiß seit Montag von der potenziellen Gefahr, obwohl kaum ein Portal darüber berichtet hat. Kein Wunder, warum soll man darüber berichten, wenn es noch nicht wirklich was zu berichten gibt?

Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren in den Medien, unter anderem als freie Journalistin. Ich weiß, dass der Hase so läuft, dass sich manche Blätter nur mit Angst- und Panikmache verkaufen. Umso schwieriger ist es jetzt für mich, die Situation einzuschätzen.

Welche Sorgen sind begründet, welche einfach nur hysterisch? 

Fakt ist, dass 14.000 der insgesamt 80.000 Bewohner der Region evakuiert wurden und 12 Kilometer um den Vulkan eine Sperrzone errichtet wurde. 10.000 Helfer sind vor Ort.

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Keiner der vielen Einheimischen mit denen ich in den letzten 48 Stunden gesprochen habe, ist besorgt wegen Mount Agung. “Der ist viel zu weit weg”, lachte gestern eine Kellnerin. Ich persönlich empfinde 50 Kilometer nicht wirklich als weit. Mein Yogalehrer meinte heute morgen zu mir, dass die von Mount Agung evakuierten Menschen in die Region um Ubud gebracht worden seien. Inzwischen weiß ich, dass sich ein Teil auch im Norden befindet.

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“Wir denken immer positiv”, antwortete die Servicekraft in dem Café, das ich fast täglich besuche auf meine Frage, während sie meinen Kaffee auf den Tisch stellt. Vielmehr täten ihr die Tiere leid, die nicht evakuiert werden können. Und die Menschen, die alles zurücklassen müssen.

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Der morgendliche Blick aus meinem Zimmer

Ich mag und schätze die positive Denkweise der Hindus sehr, trotzdem bin ich etwas ratlos. Es gibt seit ein paar Tagen immer wieder Erdbeben, die für Bali aber vollkommen normal und mit unter einer Stärke von 2,5 so klein sind, dass nicht einmal auf den Erdbeben-Hompages angezeigt oder von der Earthquake-App angekündigt werden (danke für den Tipp, liebe Angela). Es wackelt einzig und allein das Bett, nichts fällt um, nicht mal der Ventilator an der Decke bewegt sich. Es ist eher ein Wiegen als ein Beben. Als ob ich wieder 5 wäre und meine Schwester hinter dem Bett stehend mit kindlicher Kraft daran rütteln würde.

Menschen, die hier aufwachsen, wachsen mit wiegender Erde auf, für mich ist das alles neu.

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Sonnenuntergang am Campuhan Ridge Walk

Indonesien befindet sich in einer tektonisch äußerst instabilen Zone, das weiß man, bevor man einreist. Und sollte der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt, den jährlich mehrere Millionen Menschen besuchen, nicht wissen wann welche Gefahrenstufe angebracht ist? Insbesondere nach dem Tsunami 2004?

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Flowers who grow out of Flowers

Ich versuche sehr, bei mir zu bleiben und sachlich zu denken, während ich über Facebook und Instagram Mails voller Panik bekomme. Leser, die kurz vor ihrem Bali-Urlaub stehen und Angst haben zu kommen. Wer bin ich, dass ich in dieser Hinsicht Rat geben könnte? Bis gestern, bevor all die panischen Stimmen auf mich einredeten, war ich sehr entspannt. Inzwischen bin ich selber verunsichert. “Dann komm eben nicht”, antworte ich. “Aber dann ist mein ganzes Geld weg”, die Antwort.

Australien hat bereits eine Reisewarnung ausgesprochen und geraten, nicht nach Bali einzureisen. Eine australische Bekannte von mir hat sich trotzdem in den Flieger gesetzt und trinkt zur Einstimmung auf ihren Urlaub schon mal einen Sekt.

Das auswärtige Amt rät, auf die indonesischen Behörden zu hören.

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Die Reisterrassen von Tegalalang

Ich habe das Gefühl, dass die Panik von den Medien und den Menschen kommt, die nicht hier sind. All die Panik kommt von außen und nicht von innen. Ich sitze hier, mitten auf dieser wunderschönen Insel und weiß nicht, was ich machen soll.

Der Himmel hängt heute grau und schwer über Ubud, die Geschäfte sind geöffnet, die Taxifahrer fragen einen weiterhin alle 10 Meter, ob man einen Fahrer braucht. Der Reisbauer steht knietier im wässrigen Schlamm und arbeitet auf seinem Feld. Wären all die Stimmen von außen nicht, wäre alles wie immer. Aber sie sind da.

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Reisbauer in Ubud

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