Life is what happens to you while you’re busy making other plans: ein Reiseupdate

Abreise aus Bali, Flug nach Neuseeland, eine nicht funktionierende Kreditkarte. Frei nach John Lennons „Life is what happens to you while you are busy making other plans“ ist in den letzten 24 Stunden so viel passiert, wie sonst in einem Monat! Ein Reiseupdate.

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Als ich mich letztes Jahr dafür entschieden habe, Hamburg zu verlassen und durch Australien zu reisen, war einer der Gründe, dass mir in meinem Heimathafen die Herausforderung gefehlt hat. Nun… was soll ich sagen, außer „be careful what you Wish for“?

Wir erinnern uns:

Eigentlich wollte ich 2 Monate auf Bali verbringen. Ich wollte schreiben, fotografieren, neue Projekte anstoßen, entspannen und jeden Tag Acaibowls essen. Womit ich nicht gerechnet habe, war, dass sich der Vulkan Mount Agung nach mehr als 50 Jahren im Tiefschlaf wieder regte, die höchste Alarmstufe ausgerufen wurde, es immer wieder kleine Erdbeben gab und dementsprechend jederzeit mit einem Ausbruch gerechnet wird.

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In love with Bali

Die Balinesen sehen den potenziellen Ausbruch recht entspannt, doch mich hat die Situation mehr und mehr beunruhigt und es schien schier unmöglich, mich in eine entspannte Kreativität fallen zu lassen.

Also habe ich mich dafür entschieden abzureisen. Doch wo sollte ich hin? Asien war erstmal raus. Ich habe überlegt, mir Australiens Westküste anzugucken, Freunde in Perth zu besuchen oder… nach Neuseeland zu reisen. Wer meine Instagram-Stories sieht, weiß, wie sehr dieser Gedanke meine Augen zum Leuchten gebracht hat!

Also habe ich sehr spontan einen Flug nach Auckland gebucht und saß keine 24 Stunden später im Flieger. Was in der Zwischenzeit auf Facebook passiert ist, war der Hammer! Ich bekam massenhaft Tipps für Hostels, die schönsten Plätze und günstigsten Mietwagen, Angebote zum Couchsurfing, App-Empfehlungen und und und.

Mit der Reise nach NZ beschäftigen sich manche ein ganzes Jahr bevor es losgeht, bei mir lagen zwischen dem Entschluss, abzureisen und der Einreise nur ein paar Stunden. Dank euch habe ich jetzt einen Plan, ein Auto und Übernachtungsmöglichkeiten! Das ist so toll! Während Facebook immer wieder wegen Shitstorms und Hasskommentaren in den Medien ist, ist diese Plattform für mich ein Netz mit doppeltem Boden und Federkissen. VIELEN VIELEN DANK DAFÜR!!!!

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Wunderschönster Leuchtturm in Byron Bay

Obwohl ich inzwischen unglaublich gut im (um)organisieren bin, war es eine echte Wohltat, derart von euch aufgefangen zu werden. Ich reise alleine und stehe damit die ganze Zeit selber am Steuer. Das ist meistens ganz wunderbar, aber an manch anderen Tagen auch einfach derart anstrengend, dass ich mich einfach nur einrollen, schlafen und von all dem nichts wissen möchte.

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Fidschi

Das sind die Momente, wo ich ein Mal sehr tief einatmen muss, um mit meinem eigenen Leben Schritt halten zu können.

“Albern”, mag manch einer denken, “die fliegt von Australien nach Fidschi, zurück nach Australien, dann nach Bali und jetzt spontan nach Neuseeland? Die Probleme will ich haben!” Jeder, der alleine auf Weltreise war, wird allerdings genau wissen, wovon ich spreche.

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Fidschi

Doch während mein Leben lachend den Kopf in den Nacken wirft und sagt “Herausforderungen? Kannst du haben!”, bekomme ich auch gleichzeitig einen großen Topf Seelenbalsam dazu serviert:

Andi, eine Freundin, einer Freundin, von Followerin und Hundewiesenfreundin Cathi aus dem Heimathafen Hamburg bietet mir an, bei ihr zu übernachten. Sämtliche Freunde und Follower, die in Neuseeland waren, überschütten mich mit Tipps, Followerin Coco bietet an, bei ihr zu übernachten, wenn ich in Wellington bin und hält digital Händchen und beantwortet all meine Fragen, überlegt mit mir zusammen, während ich einen Mietwagen buche. Auch mein Kumpel Lasse bleibt ewig wach und hilft mir via WhatsApp. Das ist so süß und freut mich unfassbar. Ich bin komplett überwältigt und mit all meinem Sein dankbar!

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This is how I feel right now. Hamburg im Winter 2016

So und was war jetzt mit der Kredikarte, die keinen Bock mehr hatte?

Nachdem ich mehrere Stunden überlegt hatte, wie ich meinen Führerschein übersetzen lasse und von wem ich denn jetzt ein Auto miete, funktionierte bei der Buchung die Karte nicht. Schon wieder, denn das selbe Problem hatte ich schon am Airport und beim einchecken ins Hostel gehabt.

Glücklicherweise habe ich mir am Airport eine Vodafone-Simkarte für NZ gekauft. Die Freiminuten nach Europa waren mir noch am Flughafen recht egal, ich telefoniere immer über WhatsApp oder den Messenger. Ich kaufe in jedem Land eine Simkarte, dieses war die erste Simkarte mit Freiminuten. Und das erste Mal sollten sie wirklich nützlich sein, denn ich musste bei der Bank in Deutschland anrufen.

Wie sich herausstellte, hatte ich -oh Wunder, nach all den gebuchten Flügen- mein Kreditkartenlimit erreicht. Der Herr von der Hotline konnte mir nicht helfen. Es war 5.30 deutscher Zeit, ich musste also 3 1/2 Stunden warten, bis die Bankberater in der Filiale waren.

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Sunrise in Fiji

Ich saß nach 2 schlaflosen Nächten in meinem Hostelzimmer im wunderschönen und extrem überteuerten Neuseeland und hatte noch 20 Dollar cash im Portemonnaie, mehr nicht. Trotzdem von Panik keine Spur. Denn auch das habe ich während meiner Reisen gelernt: Für jedes Problem gibt es eine Lösung, zerbrich dir erst den Kopf, wenn die Bank das Limit nicht weiter nach hinten dehnt.

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Life is good

In der Zwischenzeit lernte ich meinen Zimmernachbarn Reg kennen und es war einer dieser typischen “wir mögen uns vom ersten Augenblick und lachen wie alte Freunde”-Begegnungen. Er erzählte mir, dass er die weiße Kirche aus dem The Corrs-Video besucht und er sich damit einen Jugendtraum erfüllt hat. Wir sahen uns das Video von „What can I do“ der 90er Jahre Girlgroup, aßen neuseeländische Schokolade, die genauso gut ist wie die Belgische und tranken kalte Coke light. (Wir erinnern uns: ich war extrem alle, Zucker ist in solchen Situationen doppelt gut)

Als er sich nach einer Stunde lustigen und auch schönen Gespräches mit frischem Hemd auf dem Weg ins Musical Matilda machte, drückt er mir 20 Dollar in die Hand. “Keine Wiederrede! Du nimmst das Geld, das ist kein Problem.” Ich bedanke mich ungefähr 2000 Mal und fühle mich in meiner grauen mit eingewaschenen Rostflecken versehrten Jogginghose (danke dafür, GoPro-Selfiestick), meinem ausgeblichenen Pauli-Pulli und den ewig zerzausten Haaren ungewohnt roh und beschützt.

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Immer wieder voller Vertrauen ins Leben

Heute morgen telefonierte ich mit Frankie, die ich in Byron kennen gelernt habe und die inzwischen in Auckland lebt. “Ja, das ist jetzt alles anstrengend, aber am Ende das Tages wird alles gut sein.”, sagte sie.

Solche Momente voller Zuspruch sind unbeschreiblich wunderbar und so wohltuend wie Mamas Steckkissen, wenn ich in Kindheitstagen krank im Bett lag. Inzwischen ist Mittag in Auckland und ich habe meinen Aufenthalt in dem von Kathi empfohlenen Hostel in Ponsonby um eine weitere Nacht verlängert, die Übersetzung meines Führerscheins organisiert und… einen Mietwagen für den ganzen Monat gebucht! (Die Kreditkarte funktioniert glücklicherweise wieder, hihi) Heute Nachmittag treffe ich Frankie auf eine Flasche Wein (was soll der Geiz!) und morgen beginnt mein Roadtrip durch Neuseeland! Erster Stopp: Hobbiton!!!

Oh du wildes Leben, du bist so verrückt, ich liebe dich!

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Bild von Lasse, das er während seines Roadtrips durch Neuseeland gemacht hat

4 Replies to “Life is what happens to you while you’re busy making other plans: ein Reiseupdate”

  1. Hey!
    Wow, ein sehr bewegender, mitreißender Bericht!
    Danke für diesen tollen Einblick.
    Ich bewundere dich total, du bist wahnsinnig inspirierend und wenn ich mich irgendwann los mache um die Welt zu bereisen bist du definitiv „schuld“ daran 😀
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute.
    Es ist wirklich ein tolles Gefühl der Sicherheit, so viele Menschen um sich zu haben, die einem helfen, obwohl man sich eigentlich kaum kennt. Das beruhigt mich sehr in Zeiten von Hetzen und Hating im Internet.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    1. Liebe Nicci, entschuldige bitte, dass ich jetzt erst antworte, dein Kommentar ist irgendwie untergegangen. Dafür freue ich mich jetzt umso mehr darüber.
      Es ist so schön für mich, deine Zeilen zu lesen, das bedeutet mir unglaublich viel. Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass ich hier und in den sozialen Netzwerken so eine tolle Community habe. ❤️❤️❤️
      Ganz viele liebe Grüße
      Linn

      1. Kein Problem, liebe Linn 🙂
        Du hattest ja auch viel um die Ohren.
        Das glaube ich dir sofort, so ein Rückhalt ist sehr wertvoll. <3

      2. Ja, das ist, was wirklich im Leben zählt. ❤️❤️❤️

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