Leben passiert, wenn du dich auf den Weg machst

Wie sich mein Leben verändert hat, nur weil ich alleine Essen gegangen bin.

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Könnt ihr euch vorstellen, dass es noch vor 4 Jahren ein Riesending für mich gewesen ist, alleine essen zu gehen? Im Nachhinein betrachtet ist das schon witzig, wenngleich es auch eines meiner liebsten Beispiele dafür ist, wohin kleine Schritte führen. Immerhin ist daraus mein Blog entstanden, der mich letzten Endes auf die andere Seite der Welt geführt hat. Deswegen werde ich nicht müde, immer wieder zu sagen: Wenn du etwas machen willst, mach es. Fang einfach an. Und seien es nur 10 Minuten die Woche.

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Great Ocean Road, Oktober 2017

Bleiben wir mal bei dem Blog-Beispiel: Ich habe meinen Blog nur gestartet, weil ich eine Plattform haben wollte, mich kreativ auszuleben. Ohne, dass ein Redakteur sagen würde, dass der Text zu lang wäre oder ich zu viele Bilder hätte. Außerdem wollte ich Läden, die ich toll finde, eine Plattform geben.

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Mein aller, aller erstes Foto für den Blog 2014. Unglaublich, was daraus entstanden ist.

Inspiriert wurde ich von einem Buch, das ich euch sehr ans Herz legen kann: „Das große Los“ von Meike Winnemuth. Reisen war schon etwas, was ich gerne gemacht hätte, mich aber noch nicht getraut habe. Beweisvideo anbei (das erste Video, das ich gepostet habe bw. Wie schüchtern ich noch vor der Kamera war!)

Bekannterweise ist der Weg das Ziel, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Weg zum Ziel von vielen gar nicht mehr gesehen wird. Alles muss sofort unfassbar erfolgreich werden, oder du bist gescheitert. (Dabei ist Scheitern eine Illusion!)

Great Ocean Road, Oktober 2017
Great Ocean Road, Oktober 2017

Das ist mir während meines Roadtrips durch Neuseeland so bewusst geworden. Auf den sehr kurvigen Straßen darf man maximal 100 Km/h fahren, was aber aufgrund der Straßenverhältnisse oft schier unmöglich ist.

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Bergstraße in Neuseeland, September 2017

Auf Neuseelands Straßen ist der Weg das Ziel, vollkommen unabhängig davon, wo man hinfährt. Das war mir anfangs überhaupt nicht bewusst, deswegen habe ich mein Googlemaps zu Beginn auch für total bescheuert gehalten. Warum sollte es 3 Stunden dauern, 100 Kilometer zu fahren?

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Einer der Gründe, warum man für 100 Kilometer gerne mehrere Stunden braucht. Neuseeland, Oktober 2017

Als ich dann ganz zu Beginn meines Neuseeland Trips eine Bergstraße in strömendem Regen Bergauf- und ab gefahren bin, wusste ich warum. Entlang der Schotterstraße hatten sich schon Rinnsale gebildet, von denen ich hoffte, dass sie nicht stärker werden würden. Die Scheibenwischer arbeiteten unermüdlich und ich konnte trotzdem kaum was sehen. Meterhohe Tannen ragten aus den Schluchten empor, Wolken hielten die Berggipfel fest umschlungen.

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Zudem gab es keine Zäune oder Absicherungen entlang der Straße. Links von mir war der Berg, rechts der Abgrund. Wenn ich also einen Fehler machen würde, würde ich einfach den Abhang hinunterstürzen. Maximales Tempo waren für mich also 30 Km/h. Und obwohl das Wetter wirklich schlecht war, war ich tief ergriffen und den Tränen nah vor Glück (es hatte Tage lang nur geregnet, ein paar Tage später sollte ein heftiger Sturm aufziehen, der nachts am Campervan rüttelte, als wolle er mich grob in den Schlaf wiegen).

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Kritisch guckende Schafe mit bester Frisur im Regen. Neuseeland, Oktober 2017

Ich hatte in keinem Moment Angst. Von Neuseeland selbst ging keine Gefahr aus, ich wusste, dass es einzig und allein an mir lag, ob ich die Bergstraße gut meistern würde oder nicht.

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Wunderschönes Neuseeland im Regen, September 2017

Egal, wo man in Neuseeland ist: immer mal wieder gibt es ganz unspektakulär aussehende Schilder, die zum Beispiel auf Höhlen oder Wasserfälle hinweisen. An besagtem Tag habe ich dann auch noch meinen ersten Wasserfall gesehen und war absolut überwältigt von der Kraft der Natur. In diesem Moment wurde mir ein Mal mehr klar, wie intensiv das Leben sein kann.

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Mein erster Wasserfall. (Wie viele ich danach gesehen habe, kann ich gar nicht mehr zählen) Neuseeland, September 2017

Spulen wir mal ein paar Jahre zurück.

In Deutschland war ich nicht der größte Fan von Roadtrips. Man saust mit 180 Km/h die Autobahn entlang und kommt hoffentlich schnell an. Als ich noch in Berlin gelebt habe und mit meinem kleinen Auto nach Hamburg gefahren bin, kamen mir die 3 Stunden ewig lang vor und ich fand die Fahrt richtig nervig.

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Es ist unglaublich, was passiert, wenn man sich auf den Weg macht. Neuseeland, Oktober 2017

Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich 5.000 Kilometer alleine durch Neuseeland fahren würde, hätte ich ihm niemals geglaubt. Um ehrlich zu sein hätte ich gedacht, dass ich dazu emotional gar nicht in der Lage wäre (was ist, wenn das Auto kaputt geht oder ich niemanden habe, mit dem ich all das teilen kann?). Hätte mir jemand noch zu Berlin-Zeiten erzählt, dass nur 5 Jahre später einer meiner liebsten Träume sein würde, Berti einzupacken und mit dem Van im Sommer durch Europa zu fahren, hätte ich ihm den Vogel gezeigt.

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Und wo hat das alles angefangen? Ganz unspektakulär in dem Moment, als ich mich in das Café gesetzt und mir Essen bestellt habe. Ganz alleine und sehr aufgeregt. Nur ein paar Jahre später habe ich mich aufgemacht, alleine die Welt zu bereisen. Ist es nicht einfach großartig, mal ganz weit zurück zu gehen und zu gucken, wo alles angefangen hat? Wie klein? Ich finde es total inspirierend!

Die Alpenkantine in Hamburg-Eimsbüttel, Winter 2016
Die Alpenkantine in Hamburg-Eimsbüttel, Winter 2016

Leben passiert, wenn man sich auf den Weg macht. Ich liebe es zu sehen, wie es ist, in meine Wünsche hinein- und darüber hinaus zu wachsen. Wie süchtig es macht, Grenzen zu sprengen. Wie toll das Leben sein kann, wenn man sich nur auf den Weg macht.

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Australien, Fidschi, Neuseeland, Bali - 2017 war ein absolut verrücktes, emotionales und wunderschönes Jahr. Ich habe gelernt, dass man wirklich alles machen kann was man will, solange man offen dafür ist. Ich habe keine Ahnung, wo mich das Leben noch so hinträgt. Nur eines weiß ich: es wird unglaublich schön. Kommt mit!

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