XeOm: Vietnamese Street Kitchen

Als wir 2016 zum ersten Mal das XeOm am Rande des Hamburger Karoviertels besuchen wollen, führt die Schlange tatsächlich bis auf den Gehweg. Drinnen und draußen sind alle Plätze besetzt. Kein Wunder, es ist Sonntag, ein milder Sommerabend. Anscheinend haben alle Lust auf vietnamesisches Street Food.

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Da wir einfach zu hungrig sind, gehen wir in ein anderes Restaurant. Doch am nächsten Tag kommen wir wieder. Es ist kurz nach 15 Uhr und wesentlich weniger los. Wir bestellen hausgemachte Limo (Ginger und Limetten Soda) Bun Bo Nam Bo (Reisnudeln mit Salat und Rindfleisch) und eine Pho (vietnamesische Suppe mit Reisbandnudeln und Hühnchenfleisch).

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Wir sind sofort hin und weg und ich bin vom ersten Schluck Ginger Soda verliebt: Die Limo schmeckt angenehm scharf und süß, ist dabei aber so mild, dass ich ein ganzes Fass trinken möchte. Die Gerichte im Xe Om sind unglaublich gut und fein gewürzt; der Geschmack wird perfekt unterstrichen, nicht übertönt oder erstickt. Die Nudeln haben genau die richtige Konsistenz, das Fleisch ist wunderbar zart. Auch Vegetarier und Veganer kommen im XeOm voll auf ihre Kosten. Hier arbeiten Leute, die wissen wie es geht:  hochwertige Lebensmittel verarbeiten und daraus herzgemachtes Essen kochen. Hinzu kommt, dass die Atmosphäre herrlich entspannt ist. Einzig die harten Hocker halten uns davon ab, nicht vollkommen zu versacken. Aber so ist das halt in einer Streetkitchen. Hier isst man zu allerbesten Preisen (Hauptgerichte zwischen 7 & 8 Euro) und geht dann gestärkt wieder seines Weges.

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Das war im Juli dieses Jahres. Seitdem bin ich oft mehrmals die Woche da und habe mich schon fast durch die ganze Karte gegessen. Ich kann euch nichts empfehlen, ALLES schmeckt toll! Vom Apfel-Mango-Salat mit Shrimps, den Frühlings- oder Sommerrollen bis hin zu den Reisnudelsalaten und den Suppen. Auch das Rindfleisch mit Süßkartoffelpommes oder frittierten Nudeln sind ein Traum!

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Wenn ich mal längere Zeit doch nicht das XeOm besucht habe, bekomme ich regelrechten Heißhunger auf dieses großartige vietnamesische Essen. Das liegt einzig und allein an der wirklich fantastischen Zusammensetzung der Gerichte. Geschmacksverstärker werden im XeOm nämlich nicht verwendet. Die Lebensmittel werden täglich frisch gekocht und geliefert, das Meiste ist Bio.

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Vor kurzem habe ich mich dann mit der Chefin Hangi via Facebook verabredet, um ein Interview für den Blog zu machen. Zwei Sachen muss ich vorwegnehmen: Dieser Nachmittag war so schön, dass ich noch beflügelter als sonst aus dem XeOm gekommen bin/ Obwohl der Text eigentlich innerhalb der nächsten 30 Minuten fertig war, habe ich fast 6 Wochen gebraucht, um diesen Post zu veröffentlichen. Ich wollte, dass er besonders schön wird, weil das Xe Om für mich so wertvoll ist.

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Der folgende Text ist also genau so direkt nach meinem Besuch entstanden:

Nach dem ich mehrere Male da war und mich durch die halbe Karte probiert habe, stand für mich fest, dass ich unbedingt einen Post über das XeOm machen muss. Und dann lerne ich die 29-jährige Hangi kennen und bin noch verliebter in den Laden als vorher. Oder anders gesagt: mich wundert es kein bisschen mehr, dass ich in den Laden von Anfang an verliebt war. Hier wohnt das Herz, hier wohnt die Liebe für herzgemachtes Essen. 

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Das merkt man unabhängig davon, ob man die Geschichte des Xe Oms kennt. 

2 Stunden unterhalten wir uns, essen zusammen, lachen zusammen. Hangi erzählt mir davon, wie sie und ihr 4 Jahre älterer Bruder über 10 Jahre lang einen Laden aufmachen wollten, sich aber nicht getraut haben. Und dass sie es dann, nach vielen Jahren in der Gastronomie, endlich wagten. So wie sie wollten: Mutig, ungezwungen, authentisch. 

Im XeOm wird so gekocht, wie damals bei Hangi und ihrem Bruder Long zuhause. „Bei den Asiaten dreht sich alles ums Essen. Und dann haben wir uns gedacht, dass wir nur das kochen und anbieten wollen, was uns auch schmeckt!“, erzählt Hangi strahlend.

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Die Mama, nach deren Rezepten hier gekocht wird, hilft in der Küche. Onkel und Cousine im Service, die anderen Mitarbeiter sind Freunde oder Freunde von Freunden. Diesen Zusammenhalt fühlt man. Und wahrscheinlich ist das XeOm auch deswegen immer so voll. Und das trotz der vielen Plätze. 

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„Anfangs hat mein Bruder den Service komplett alleine gemacht, doch das ging irgendwann nicht mehr.“, lacht Hangi. „Wir konnten es selber nicht glauben, wie viele Leute immer kamen. Die Familie da drüben,“ sagt sie und zeigt auf den benachbarten Tisch an dem Oma, Mama und Kleinkind sitzen, „kommt seit wir aufgemacht haben. Der kleine Junge war noch ein Baby, jetzt geht er schon!“

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1 Jahr und 3 Monate ist das XeOm jetzt alt, Mittags und gerade Abends ist hier so viel los, dass man manchmal auch etwas länger auf  seinen Platz warten muss. Hier wird gelebt und gelacht, jeder darf sein wie er ist. Hangis Augen funkeln. „Das ist mir besonders wichtig.“ 

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Das XeOm ist ein Ort des Genusses. Street Kitchen wie man sie es sich vorstellt. Bestes Essen, keine Reservieungen, kein Affenzirkus. Hier kannst du richtig hochwertig essen und es dir gutgehen lassen. Gute Energie tanken, fabelhaft essen.

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Unbedingt probieren: Den vietnamesischen Kaffee

Am Ende frage ich Hangi, ob ich sie fotografieren darf, doch all meine Überredungskünste scheitern: „Ich bin eigentlich gar nicht kamerascheu. Aber ich möchte nicht, dass die Gäste nur auf mich gucken, weil das mein Laden ist. Wir sind alle ein Team, niemand ist besser oder schlechter.“ <3

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Lasst es euch schmecken und besucht unbedingt das Xe Om!!! Ihr findet es in der Karolinenstraße 25 (U-Bahn Messehallen). Geöffnet ist Mo bis Freitag von 12 bis 22 Uhr, am Wochenende ab 14 Uhr.

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